Große Herausforderungen für das Pflegesystem

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Das Thema Pflege ist durch die demographische Entwicklung eines der brisantesten unserer Zeit.  Einige Zahlen untermauern den Handlungsbedarf: Bis Mitte der 2020er Jahre werden in Salzburg mehr Senioren leben als junge Menschen. Die Anzahl der Menschen, die über 80 Jahre alt sind, wird sich bis 2040 um mehr als 25.000 auf rund 51.000 verdoppeln. Das hat Auswirkungen auf alle Pflegebereiche. Auf der anderen Seite werden dringend zusätzliche Pflegekräfte benötigt – in Salzburg bis zum Jahr 2024 knapp 900. Dazu gibt es große Herausforderungen auch in finanzieller Hinsicht: Im Bundesland Salzburg ist die Anzahl der Pflegegeldbezieher in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Drittel gestiegen. Waren es 2007 noch rund 18.000 Menschen, so haben im vergangenen Jahr bereits mehr als 26.000 Menschen Pflegegeld bezogen. 456.000 Menschen waren im Vorjahr österreichweit pflegebedürftig und laut einer Schätzung des Wirtschaftsforschungsinstitutes wird die Zahl bis zum Jahr 2050 auf rund 750.000 ansteigen. Dementsprechend wird auch in Salzburg die Zahl der Pflegegeldbezieher in den nächsten 30 Jahren um rund zwei Drittel auf 39.000 steigen. 

PULS hat darüber mit Landeshauptmann-Stellvertreter
Dr. Christian Stöckl gesprochen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und machen klar, dass die Herausforderungen in der Pflege groß sind. Wie geht man in Salzburg damit um?

Dr. STÖCKL: Das Thema Pflege ist eines der brisantesten und wichtigsten unserer Zeit. Deshalb hat Salzburg als erstes Bundesland in Österreich eine Plattform „Pflege und Betreuung“ ins Leben gerufen. Dabei wurde ein Maßnahmenpaket geschnürt, mit dessen Umsetzung bereits begonnen wurde. Um die Langzeitpflege in den Seniorenwohnhäusern und die mobilen Dienste abzusichern, sind wir mit der Caritas, dem Diakoniewerk und der Schule für Sozialbetreuungsberufe eine Kooperation eingegangen. Das Land Salzburg übernimmt seit Beginn dieses Schuljahres das Schulgeld für die angehenden Pflegerinnen und Pfleger. Damit fällt für junge Menschen eine oftmals entscheidende Hürde weg, diese Ausbildung zu ergreifen. Im Budget für 2019 sind dafür 400.000 Euro eingeplant. 

Das Schuljahr hat vor wenigen Wochen begonnen. Hat sich diese Maßnahme bemerkbar gemacht?

Dr. STÖCKL: Ja, die gemeinsamen Anstrengungen haben sich gelohnt. An der SOB Saalfelden konnte eine neue Pflege-Ausbildung mit einer vollen Schulklasse von 30 Schülerinnen und Schülern begonnen werden, im Diakoniewerk startete heuer eine zusätzliche Klasse für die Pflegeausbildung. Möglich wurde dies nach Einschätzung der Experten durch die Übernahme des Schulgeldes durch das Land. Und noch etwas: Mit dem Schuljahr 2019/20 ist es auch gelungen, eine regionale Hochschul-Ausbildung der FH Salzburg an der Kardinal Schwarzenberg Akademie in Schwarzach zu etablieren. Zudem ist der Tauernklinikum-Standort Zell am See eine unverzichtbare Ausbildungseinrichtung für viele Menschen aus der Region im Süden unseres Landes. Das ist wesentlich, um die pflegerische Versorgung vor Ort in unseren Spitälern sowie in den extramuralen Einrichtungen wie Senioren- und Pflegeheimen ebenso abzusichern wie für die mobilen Dienste. Im Zentralraum ist die SALK neben der Pflegeausbildung federführend in der Implementierung der neuen Berufsgruppen in den Pflegebetrieb.

Pflegerinnen und Pfleger haben in der Öffentlichkeit ein sehr hohes Ansehen. Der Beruf an sich wird aber oftmals als sehr belastend, mühevoll, anstrengend dargestellt. Wie soll es da gelingen, Menschen für eine Ausbildung in der Pflege zu begeistern?

Dr. STÖCKL: Es muss uns gelingen, ein Bewusstsein zu schaffen, wie vielfältig, verantwortungsvoll und erfüllend dieser Beruf ist. Dazu werden wir im Herbst eine Kampagne präsentieren. Ziel ist es, das Interesse der Menschen für eine Ausbildung in diesen Bereichen zu wecken und vor Augen zu führen, dass Berufe im Pflege- und Betreuungsbereich sehr gute Zukunftschancen mit einem sicheren Arbeitsplatz und einem attraktiven Gehaltsschema haben. 

Jede Maßnahme zur Verbesserung des Pflegesystems kostet Geld. Das Land hat ein Bündel an Maßnahmen vorgesehen. Wieviel soll in den kommenden Jahren investiert werden?

Dr. STÖCKL: Der voraussichtliche Investitionsbedarf beträgt rund 74 Millionen Euro bis zum Jahr 2023. Auf die einzelnen Jahre heruntergebrochen sind das rund 15 bis 20 Millionen Euro, die vom Land und den Gemeinden investiert werden müssen.

»Wir begegnen den Herausforderungen im Pflegebereich mit umfangreichen Maßnahmen.« 

Dr. Christian STÖCKL
Landeshauptmann-Stellvertreter
Landesrat für Finanzen, Gesundheit und Spitäler 

 

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