Mittwoch, 21. November 2018

Hauttransplantation mit Stammzellengentherapie

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Die erfolgreiche Hauttransplantation mittels Stammzellengentherapie an einem Schmetterlingskind machte weltweit Schlagzeilen. Die Korrektur eines Gens führte nach zehn Jahren Forschung zum ersten großen Erfolg. Jetzt soll die Therapie auf andere seltene Hautkrankheiten ausgeweitet werden. Es war jetzt einmal ein wichtiger Schritt nach vorne, um zu zeigen, dass es tatsächlich möglich ist, fast 90 Prozent der Haut bei einem Schmetterlingskind zu ersetzen. Im medizinischen Sprachgebrauch kommt das einer Heilung gleich“, erklärt Professor Dr. Johann Bauer den mittlerweile zwei Jahre andauernden Erfolg der Stammzellengentherapie bei Schmetterlingskind „Hassan“.  Nach der Hauttransplantation ist der jetzt Neunjährige weitgehend frei von Beschwerden. Federführend an Forschungserfolg und Operation waren neben dem Salzburger Spitzendermatologen Johann Bauer, Professor Michele De Luca vom Center for Regenerative Medicine der Universität Modena (Italien) und ein medizinisches Wissenschaftsteam aus Bochum. Der damals siebenjährige Bub litt an einer junktionalen Epidermolysis bullosa (JEB) – eine schwere und oft tödliche genetische Erkrankung, die durch Mutationen in Genen verursacht wird. Überlebende Patienten mit JEB entwickeln chronische Wunden an Haut und Schleimhäuten, die ihre Lebensqualität beeinträchtigen und zu Hautkrebs führen können. Betroffene werden als Schmetterlingskinder bezeichnet, da deren Haut so verletzlich ist wie die Flügel eines Schmetterlings.

Stammzellengentherapie

Der kleine Hassan hatte bereits 60 Prozent seiner Oberhaut eingebüßt. Bei einem Subtypus der Erkrankung fehlt aufgrund eines schadhaften LAMB3-Gens das Protein Laminin beta 3. Die Ursache der Schmetterlingskrankheit ist also eine Fehlfunktion eines Eiweißes in der Haut. Üblicherweise sorgt dieses Eiweiß für den Zusammenhalt der Hautschichten zwischen der Epidermis (Oberhaut) und der Dermis (Lederhaut). Fehlt dieses Eiweiß, entstehen schmerzhafte Blasen und Wunden, selbst bei minimaler mechanischer Belastung: „Wenn man ein fehlendes Protein (Eiweißstoff) hat, muss man am Gen ansetzen um es zu korrigieren. Das ist unser Ansatz, den wir verfolgen“, so  Dr. Bauer. Im konkreten Fall wurden per Biopsie langlebige Stammzellen entnommen und isoliert. In Folge werden Retroviren in gesunde Gene eingebracht und damit Hauttransplantate gezüchtet. Die bahnbrechende Erkenntnis ist dabei der Nachweis, dass sich die menschliche Oberhaut durch eine begrenzte Anzahl langlebiger Stammzellen (Holocone) weitgehend selbst erneuern kann. Diese Stammzellengentherapie ist aber an Voraussetzungen gebunden. Es muss nämlich beim Patienten ein sogenanntes Restprotein vorhanden sein. Der Patient darf also nicht komplett ohne dieses Protein sein, da sonst eine Abstoßungsreaktion möglich ist.  Das heißt der Patient muss eben noch über funktionierende Zellen verfügen, welche noch die Mutation im Gen tragen, so dass man ein neues Gen in die Hautzellen einsetzen und diese Hautzellen erweitern kann. „So entwickeln sich neue Haut­stücke, die man auf die Haut transplantieren kann“, erklärt Dr. Bauer weiter. Die Stammzellengentherapie wurde schon 2006 in Italien und 2014 in Österreich angewendet und wurde seither ständig weiterentwickelt. Damals waren aber nur sehr kleine Hautareale betroffen. Dabei wurde bei den Patienten nur die Haut am Oberschenkel ersetzt. Beim jüngsten Erfolg konnte die Oberhaut im Ausmaß von 0,85 Quadratmetern ersetzt werden.

Seltene Hautkrankheiten                                                                                            

Derzeit wird versucht die Anwendung der Stammzellengentherapie auszuweiten. Im Rahmen einer Studie werden aktuell zwölf Schmetterlingskinder behandelt. In naher Zukunft sollen somit auch andere seltene genetische Hauterkrankungen behandelt werden können. Rund 800 sogenannte seltene Hautkrankheiten sind heute bekannt. Wobei es alleine bei Schmetterlingskindern 20 Subformen gibt. Die häufigste der seltenen Hautkrankheiten ist die Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis), die sich ähnlich der Schmetterlingskrankheit verhält. Patienten leiden hier an trockenen Hautstellen am ganzen Körper aufgrund eines geschädigten Enzyms.  Bei der derzeit nicht heilbaren Neurofibromatose ist eine Neigung zur Ausbildung von Tumoren typisch. In der Mehrzahl bilden diese Neurofibrome, also gutartige Geschwülste bestimmter Nerven- und Bindegewebszellen, die sich in jedem Körpergewebe in jeder Altersstufe (verstärkt während der Pubertät) entwickeln können. Durch ihr unkontrolliertes Wachstum bedrängen sie verschiedene Organe, was deren Funktionen beeinträchtigen kann. Neben der Stammzellengentherapie, wird im Rahmen einer globalen Studie an der Zulassung einer neu entwickelten Salbe zur Bekämpfung von Symptomen seltener Hautkrankheiten geforscht, erklärt Professor Johann Bauer. Dieses Präparat könnte in Zukunft auch zur Linderung bei Neurodermitis oder Schuppenflechte eingesetzt werden.