Sonntag, 18. November 2018

Gangrehabilitation: Gehen unter Strom

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„Mollii“ aus Schweden ermöglicht Wirbelsäulen­geschädigten, Spastikern, zerebral Gelähmten und anderen neurologisch Beeinträchtigten wieder ein eigenständigeres Leben. Mollii“ ist ein neues Konzept in Österreich, das Menschen mit Spastizität oder anderen Formen der motorischen Behinderung eine maßgebliche Hilfestellung geben kann und damit zahlreichen betroffenen Menschen, ein grundsätzlich verbessertes Bewegungs- und Funktionsvermögen ermöglicht.  Die schwedische Erfindung ermöglicht es, durch niederfrequente Stromimpulse die Muskeln aufzulockern und wieder zu aktivieren. „Eine Therapie mit dem ,Mollii-Anzug‘ sollte drei Mal pro Woche, jeweils zwischen einer und zwei Stunden durchgeführt werden“, erklärt Fredrik Lundqvist, Entwickler des „Mollii-Anzuges“. Die Wirkung einer Therapieeinheit hält circa 48 Stunden an. Dadurch erspart sich der Patient auch die Einnahme antispastischer Medikamente sowie von Schmerzmedikamenten und die sich daraus ergebenden Nebenwirkungen.

Neue Bewegungsfreiheit

Georg Gradwohl, 30 Jahre, aus Hollenthon/Bucklige Welt in Niederösterreich, leidet nach einem schweren Verkehrsunfall, seit 14 Jahren an einem beidseitigen Schädelhirntrauma. Seit diesem Zeitpunkt kämpft Gradwohl mit einer spastischen Lähmung der linken Körperhälfte. Teile seiner linken und auch rechten Körperhälfte beziehungsweise Muskeln sind versteift. Seine Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt. Der 30-jährige kann weder seinen Arm ausstrecken, noch heben und auch nicht laufen. Gradwohl kann nach seinem Ersttest mit dem „Mollii-Anzug“ seinen Arm bereits nach 30 Minuten sichtbar besser ausstrecken, heben und auch schneller aufstehen. Nach circa einer Stunde ist sein Gangbild stabiler, bestätigen auch die Eltern von Georg Gradwohl und die behandelnden Ärzte im Institut für ambulanten Neurorehabilitation (Haus Sankt Lukas). „Bisher war Georg nach Übungen oder Tätigkeiten nach kurzer Zeit entkräftet und stark ermüdet. Der Erfolg ist hier gleich spürbar“, so Gradwohls Eltern.

Wie funktioniert der „Mollii-Anzug“?

Der Anzug hat 58 Elektroden in einem zweiteiligen Kleidungsstück mit vier magnetischen Anschlussstellen, die das Steuergerät befestigen. Die Stimulation erzeugt eine Grundspannung im Antagonisten eines spastischen Muskels. Die im Anzug integrierte leichte, niederfrequente Elektrostimulation veranlasst, die körpereigenen neurologischen Reflexe, wie die reziproke Hemmung, bei Spastizität und andere motorische Behinderungen, in ausgewählten Muskelgruppen zu entspannen. Beim „Mollii-Training“ erleben die Patienten einen massiven Entspannungseffekt ihrer Muskulatur bei gleichzeitiger Körperstabilisierung. Der „Mollii-Anzug“ wird individuell angepasst und kann von Kindern wie auch von Erwachsenen verwendet werden. Ein großer Vorteil des Anzugs ist seine mobile Verwendung, etwa im Rahmen einer Neurorehabilitation in einer Klinik, ambulant oder zu Hause.