Sonntag, 18. November 2018

Boom bei Nahrungsergänzungen

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Nahrungsergänzungsmittel werden in Apotheken und Drogeriemärkten in großer Vielfalt und Auswahl angeboten und sind gefragt wie nie zuvor: Präparate gegen Stress, um die Vitalität zu steigern, zum Abnehmen, zum Einschlafen, zum Durchschlafen.  Ein rasant wachsender Markt.

Jeden Tag ein Aspirin, ist in Amerika durchwegs schon gängige Einstellung, verbunden mit der Erwartung, dass man damit bestimmten Erkrankungen vorbeugen könne. Zu einem Antibiotikum gleich vorweg ein Probiotikum – ohne abzuwarten, ob man es überhaupt benötigt. „Agiert wird wie in einer Weltkriegsstimmung, es wird nicht mehr gefragt, was brauche ich wirklich“, sieht Werner Salmen, Inhaber der Engel-Apotheke in Salzburg, den Boom an Gesundheits-Pillen durchaus kritisch. Und nennt ein Beispiel: Präparate für Sportler, in denen von den Vitamin-B-Komplexen bis zu Vitamin-C verstärktem Magnesium alles enthalten ist, sind „teilweise zehnfach über dem Tagesbedarf“. Ein Milliardenmarkt, der mancher Apotheke das Überleben sichert. Auch in einem ARD-Report über den Boom gab es reichlich kritische Stimmen. So meinte etwa die pharmazeutische Biologin Birgit Dräger, die an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu dem Thema forscht: „Wer sich gesund ernährt, braucht sicherlich keine Nahrungsergänzungen“, so die Professorin, „doch auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Menschen, die Ergänzungen benötigen, zum Beispiel chronisch Kranke, aber auch Ältere, die nicht mehr alles schlucken und kauen können.“

Die Hersteller, die Apotheken und zunehmend auch Drogerieketten und Internet-Anbieter leben ganz gut vom wachsenden Geschäft mit den Mikronährstoffen. Wie aus dem jährlichen Jahresbericht der Österreichischen Apothekerkammer hervorgeht, beträgt der Umsatzanteil mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten, Wellness- und Kosmetik-Produkten, mit Nahrungsergänzungen und Vitaminen bereits rund 30 Prozent. 

Die Kapseln werden dem geänderten Ernährungs-Trend folgend übrigens zunehmend aus Zellulose – also vegan –  hergestellt. In der Produktkennzeichnung ist das auch ausgewiesen. Die Verabreichung von Nahrungsergänzern kann allerdings in manchen Fällen hilfreich sein – nicht nur bei chronisch Kranken und Älteren.  „Bei Vitamin D3 kann es in den Wintermonaten durch geringe Sonneneinstrahlung zu Mangelerscheinungen kommen“, schlagen Experten teilweise bereits Alarm. Allerdings, so die Experten weiter, sei es zu empfehlen, zunächst den Status erheben zu lassen. Aber auch mit Probiotika, die in verschiedenen Zusammensetzungen als Omnibiotic-Produkte am Markt sind, zur Unterstützung des Darms, der als Zentrale des Wohlbefindens gilt, „kann man sich etwas Gutes tun“, sind sich Experten einig.

Bei gesundheitsbewusster Ernährung müsste der Bedarf an Spurenelementen jedoch weitgehend gedeckt sein. Davon geht auch Apotheker Werner Salmen aus.  In Salzburg sei man zudem in der glücklichen Lage, sehr gutes Leitungswasser zur Verfügung zu haben. „Das Salzburger Wasser ist von hervorragender Qualität. Es kommt vom Untersberger Karst und enthält alle Spurenelemente, die wir brauchen.“ Und dass das Untersberg-Wasser auch dem entspricht, was ernährungsbewusste Konsumenten verstärkt nachfragen - vegan, lactose- und fructosefrei – da könne man ganz beruhigt sein, wie Salmen augenzwinkernd ergänzt.