Sonntag, 18. November 2018

Habe ich Rheuma?

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Im Volksmund spricht man gerne bei allen Beschwerden des Bewegungsapparates von „Rheuma“. Bereits mehr als 50 Prozent der über 60-Jährigen sind von orthopädischen Problemen der Hand betroffen, Frauen bei weitem häufiger als Männer.

Arthrose oder Rheuma?

Als Arthrose bezeichnet man die abnützungsbedingte Schädigung des glatten Gelenkknorpels, die zu Schmerzen, zunehmender Bewegungseinschränkung, Kraftverlust und Entzündung führen kann. Tätigkeiten des täglichen Lebens, wie das Öffnen eines Drehverschlusses einer Flasche, das Aufheben kleiner Gegenstände wie Büroklammern oder Kleidungsknöpfe zuzuknöpfen werden zunehmend mühsamer oder schmerzhaft. Die rheumatoide Arthritis dagegen ist eine chronisch entzündliche Gelenkserkrankung, die wie ein Autoimmunprozess das eigene Gelenk in all seinen Strukturen zerstört. Morgensteifigkeit, symmetrischer Gelenksbefall, häufig der kleinen Gelenke, Müdigkeit oder Abgeschlagenheit sind die wichtigsten Symptome rheumatischer Erkrankungen. Es gibt viele verschiedene Krankheitsbilder des sogenannten „Rheumatischen Formenkreises“. Dabei sind oft auch Muskeln, Sehnen oder innere Organe mitbetroffen.

Wie stelle ich fest, ob ich Rheuma habe?

Bei einer Schwellung, bei Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen an Hand- oder Fingergelenken, ist es ratsam, den Facharzt für Orthopädie aufzusuchen. Eine genaue Anamnese der Beschwerden, die eingehende Untersuchung des gesamten Bewegungsapparates sowie weiterführende Abklärungsmöglichkeiten mit Röntgen, Ultraschall sowie eventuell MRT können den Verdacht einer rheumatischen Erkrankung erhärten. Durch die enge Zusammenarbeit mit den internistischen Rheumatologen werden dann noch spezielle Laborwerte (Entzündungswerte, Rheumafaktoren ) erhoben und gegebenenfalls eine Therapie eingeleitet. Wie behandelt man Arthrose, wie Rheuma? Manche konservative, also nicht- operative Behandlungsmethoden werden bei beiden Gruppen angewandt. Zum Beispiel sind Physiotherapie, Wärmebehandlungen, Strom oder therapeutischer Ultraschall sowie orthopädische Hilfsmittel wie Schienen und Bandagen sinnvoll. Die medikamentöse Therapie ist allerdings unterschiedlich. Bei Arthrose wirken entzündungshemmend-abschwellende Medikamente. Sogenannte Knorpelpräparate können als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden oder als Knorpelaufbau-Spritzen direkt ins Gelenk injiziert werden. Bei einer echten rheumatischen Erkrankung braucht man eine wahrscheinlich lebenslange Behandlung mit speziellen Rheuma-Medikamenten. Dem erfahrenen Rheumatologen stehen heute moderne Medikamente zur Verfügung, die den chronischen Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und somit die Gelenkzerstörung bremsen oder vielleicht sogar verhindern können. Diese sogenannten Biologika greifen in die Entzündungskaskade auf Rezeptorebene ein und können so den Prozess stoppen.

Wer braucht eine Operation?

Die Entscheidung zur Operation muss immer individuell getroffen werden. Bei arthrosebedingten Beschwerden der Hände stehen uns heute moderne Operationsverfahren zur Verfügung, mit denen Schmerzfreiheit sowie Rückgewinn der Kraft und Beweglichkeit erreichbar sind. Bei rheumatischen Krankheitsbildern ist die Operationsnotwendigkeit durch die neuen, guten Rheumamedikamente viel seltener geworden. Dennoch ist es in manchen Fällen sinnvoll, die fortschreitende Gelenkzerstörung operativ zu behandeln oder sogar vorzubeugen.