Die silberne Zukunft leben

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Wie werden die Salzburger im Alter Wohnen und Leben? Größter Wunsch bleibt bei vielen in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Doch es entsteht derzeit auch ein neues Bewusstsein für alternative Wohn und Lebensformen. Außerfamiliäre Beziehungen werden wichtiger.

Mag. Christoph Archet

Rund zwei Millionen Alterspensionisten zählt Österreich derzeit. Tendenz steigend – denn die Lebenserwartung von Männern und Frauen in Österreich nimmt zu. Laut Statistik Austria werden Männer im Jahr 2030 im Durchschnitt 81,9 Jahre alt, Frauen erreichen sogar ein Durchschnittsalter von 86,3 Jahren. Und der Anteil der über 65-jährigen soll von derzeit rund 18,8 Prozent auf 23,1 Prozent weiter wachsen. Diese hohe Lebenserwartung wirkt sich auch darauf aus, wie wir in Zukunft wohnen werden. „Der demographischen Entwicklung unserer Bevölkerung muss auch mit altersspezifischen Wohnformen entsprechend Rechnung getragen werden“, erklärte dazu GBV-Obmann Dr. Christian Wintersteller. Da viele Senioren ein selbstständiges Leben führen wollen, werden auch vermehrt betreute Wohnungen beziehungsweise altersgerechte Wohnobjekte gebaut, da diese in Kombination mit graduell abgestimmter Betreuung ein hohes Maß an Selbstständigkeit ermöglichen, so die Erkenntnisse der jüngsten Studie „Seniorenwohnen – Marktbericht Österreich 2018/19“ von FH-Doz. Dr. Wolfgang Amann, vom Institut für Immobilien Bauen und Wohnen. Der Immobilienforscher bestätigt auch die Zunahme alleine lebender Personen in einer Wohnung: „Die Singularisierung setzt mit 40 ein und ab 70 dominieren Singles vor allem bei den Frauen. Hinzu kommt eine ausgeprägte Armutslage, zum Beispiel bei älteren Frauen mit Mindestpension.“ Auch die zunehmende Tendenz zu kleineren Haushaltsgrößen wirkt sich auf den Wohnungsmarkt aus. Gernot Filipp, Leiter Landesstatistik und Verwaltungscontrolling, dazu: „Dieser Trend folgt auch aus dem Strukturwandel von Formen des Zusammenlebens und geänderten familiären Verhältnissen. Speziell die Anzahl alleinlebender Menschen im Alter wird stark ansteigen und entsprechende Bedürfnisse für geeignete Wohnformen schaffen.“ Außerdem wird mittelfristig die Zahl der älteren Menschen mit eigenen Kindern aufgrund der in den letzten Jahrzehnten gesunkenen Fertilitätsraten sinken, was sich wiederum auf das notwendige Angebot an informellen Pflegeleistungen und die Möglichkeiten der Betreuung älterer Menschen auswirken wird.   

Alt werden in den eigenen vier Wänden 

Die Wichtigkeit für die Menschen, in der eigenen Wohnung und im gewohnten unmittelbaren Umfeld älter zu werden, sprach Michael König, Geschäftsführer des Diakoniewerks Salzburg und Tirol, an: „Aufgrund der bekannten demografischen Entwicklungen werden die damit zu lösenden steigenden Betreuungs- und Pflegebedarfe, aber auch die Bedürfnisse noch nicht betreuungsbedürftiger älterer Menschen mit den bisherigen Zugängen nicht gelöst werden können.“ Um die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können, muss der Fokus laut König einerseits auf assistierende Technologie gelegt werden, andererseits im Bereich des Sozialwesens auf den Ausbau von Dienstleistungen für betroffene ältere Menschen und ihre Angehörigen.

Digitalisierung verändert Alltag

Die heutige Generation der über 60-Jährigen hat größtenteils Erfahrungen mit Smartphone, Computer und Internet. Neue Technologien werden der Information und Bildung, der Kommunikation über Generationen hinweg und als Zugang zu neuen Angeboten für lebenslanges Lernen dienen. Entwicklungen wie die Telemedizin oder altersgerechte Assistenzsysteme (AAL) mit Notruf und Sturzdetektionssystemen zur häuslichen Sicherheit werden zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen und ältere Menschen dabei unterstützen, möglichst lange selbstständig zu bleiben, heißt es von der Zukunftsakademie Oberösterreich.

Freunde werden wichtiger

Älter werden heißt vielfach auch zu lernen, mit Verlusten, mit gesundheitlichen Einschränkungen und mit Krankheit umzugehen. Mit fortschreitendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und das Risiko, pflegebedürftig zu werden. Mit der Zunahme des Anteils älterer und hochaltriger Personen in der Gesellschaft wird die Frage nach den Versorgungserfordernissen für ältere Menschen und der entstehende Hilfe- und Pflegebedarf zunehmend wichtig, insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt der angemessenen Versorgung von Menschen mit demenziellen Erkrankungen. Die meisten Menschen werden von ihren Angehörigen betreut. Auch in Zukunft wird die Familie wichtig sein, um die älteren Mitglieder zu unterstützen. Dieser Entwicklung stehen aber künftig veränderte Betreuungsmöglichkeiten und -bereitschaften innerhalb der Familie gegenüber – sei es, weil wegen Trennung der Partner oder die Partnerin fehlt, der Kreis der Angehörigen klein ist, diese berufstätig sind oder entfernt wohnen. Wenn die Familie kleiner wird, werden außerfamiliäre Beziehungen umso wichtiger. Soziale Netze und mobile Hilfe, „Wahlverwandtschaften” und Nachbarschaftshilfen, die Organisation von Teilhabe und Mobilität werden zunehmend eine größere Rolle spielen, wissen die Experten der Zukunftsakademie.

 

 

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