Nah am Menschen - der Apotheker

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Im PULS-Interview erklärt Apothekerin Margarete Olesko, warum die Apotheke der Zukunft noch mehr auf Beratung setzen muss, und warum die Freigabe von vielen Medikamenten die Volksgesundheit negativ beeinflussen kann.

Wie haben sich die Anforderungen und Aufgaben des Apothekers in den letzten Jahren geändert?

Olesko: Der Beruf des Apothekers ist ein Berufsstand im Wandel. Eine Apotheke ist heutzutage weitaus mehr als nur eine Stelle zur Vergabe von Medikamenten. Die Versorgung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten stellt heute nur einen Bruchteil der Tätigkeit eines modernen Apothekers dar. Wir sind Verbindungspartner zwischen Ärzten, Patienten und pharmazeutischen Unternehmen. Die Beratungsleistung ist ein ganz wesentlicher Beitrag zur Vorsorge und Versorgung. 

Wie steht es um Produktfälschungen in Österreich? Kommen diese häufig vor – was ist dazu zu sagen?

Olesko: Das Problem der Arzneimittelfälschungen tritt dort am häufigsten auf, wo regulatorische und strafrechtliche Regelungen betreffend Arzneimittel am schwächsten sind. Aus diesem Grund sind in Österreich Arzneimittelfälschungen selten bis gar nicht der Fall. Seit Februar dieses Jahres sind alle österreichischen Apotheken an das nationale Datenspeichersystem (Austrian Medicines Verfication System oder kurz AMVS – System) angebunden. Arzneimittel dürfen nur mehr nach erfolgter Echtheitsprüfung abgegeben werden. 

Wie wichtig ist in Zeiten der Onlineapotheken die fachliche Beratung vor Ort – oder geht es in Richtung Beratungstourismus?

Olesko:  Für mich ist es wichtig, dass mein Team auch nachhaltig denkt, dass der Kunde so beraten wird, dass er nicht nur seine Symptome bekämpft, sondern die Grundkrankheit erkennt und diese behandelt. Was sind die Ursachen? Wie kann man diese bekämpfen? Wie kann ich präventiv arbeiten? Warum ist es wichtig die empfohlene Therapie einzuhalten? All dies sind Fragen, welche nicht durch einen Mausklick beantwortet werden können und dieser Mausklick führt auch nicht immer zur Ersparnis im Geldbörserl – oft ist das Gegenteil der Fall! 

Wie wichtig sind heutzutage Zusatzprodukte in der Apotheke?

Olesko: Sehr wichtig! Da der Kunde die Apotheke mit einem kleinen Hochgefühl verlassen soll. Das Medikament kann der Kunde ja auch noch an anderen Standorten kaufen. Wenn er sich bei uns wohler fühlt, wird er auch einen längeren Weg in Kauf nehmen. Positive Erlebnisse führen dazu, dass der Mensch etwas wiederholen möchte und ein Produkt ist nicht nur ein Produkt sondern auch Service. Offene, hilfsbereite und gut geschulte Mitarbeiter sind und bleiben der wichtigste Bestandteil eines guten Services. 

Wie stehen Sie zur Freigabe zu gewissen Medikamenten oder anders gefragt: Ist Östereich zu stark reguliert?

Olesko: Wenn zu viele Medikamente – womöglich auch noch ohne Beratung – frei erhältlich sind, dann trägt dies zu negativen Folgen für die Volksgesundheit bei. Jedes Arzneimittel hat unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen. Paracetamol zum Beispiel als Schmerz- und Fiebersenker führt durch zu hohem Konsum zu Leberversagen. 

Wie wird sich der Beruf des Apothekers im Zeitalter der Digitalisierung in den nächsten Jahren ändern?

Olesko: Die Apotheke ist ein fester Bestandteil in unserem Gesundheitssystem. Solange unsere Gesellschaft dies als notwendig erachtet, solange darüber Konsens besteht, dass Arzneimittel eine besondere Ware sind, die einer fachmännischen Betreuung – von der Abgabe bis zur Anwendung bedürfen – solange wird es Apotheken geben. Das Berufsbild wird sich zwar ändern, die Beratung wird aber noch mehr in den Vordergrund rücken. Die Potentiale und Ressourcen, die in einer modernen Apotheke, in einem gut ausgebildeten Apotheker heute schlummern, erlauben eine noch intensivere Nutzung des Fachwissens – in der Prävention, in der Zusammenarbeit mit dem Arzt, in der klinischen Pharmazie oder in der Pharmakogenetik.

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