Digitalisierung erleichtert Hauskrankenpflege

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Unter dem Begriff „Digitalisierung für die Pflege“ gibt es eine Vielzahl von Produkten und Lösungen die darauf abzielen, die Selbständigkeit und den Verbleib älterer Menschen mit Unterstützungsbedarf in den eigenen vier Wänden zu fördern. Gerade aufgrund der notwendigen Dokumentationspflicht – auch für die Mitarbeiter der Pflege – ist eine gut strukturierte Dokumentation auf entsprechenden digitalen Medien unumgänglich geworden. Etwa, dass die Interpretation von Handschriften nicht mehr notwendig ist, und daher auch Fehlerquellen vermieden werden können. Dies ist vor allem beim digitalen Blutzuckertagebuch (Apps in Verbindung mit Blutzucker-Messgeräten) der Patienten gut zu beobachten. Ein anderes starkes Argument für digitale Medien ist, dass alle in die Therapie involvierten Personen wie Hausarzt, Fachärzte in Ambulanzen, Diabetesberater und Ernährungsberater über den gleichen Wissensstand verfügen!

Koordinator Diabetesberater

Als Schnittstelle zwischen Arzt und Patient sehe ich als Diabetesberater ein enormes Potential in der digitalen Entwicklung. Die Patienten sollten nach dem Gespräch mit ihrem Arzt über die diagnostizierte Erkrankung Bescheid wissen. Fakt ist aber, dass mehr als die Hälfte der Information beim Patienten schon nach dem Arztgespräch, aufgrund fehlender Feinmotorik aber auch kognitiver und perzeptiver Fähigkeiten des Patienten, nicht mehr gespeichert ist. 

Ich erstelle dazu mit meinen Patienten eine sehr detaillierte Anamnese, in welcher alle Facetten des täglichen Lebens des Patienten Berücksichtigung finden. Bei der Erstellung dieser Anamnese bitte ich jeweils die engsten Angehörigen, mit dabei zu sein. So kann ein sehr detailliertes Profil erstellt werden, welches in Folge in der Umsetzung der vom Arzt verordneten Therapie als Ausgangsbasis dient. Jeder Arzt wird dem betroffenen Diabetiker folgende Tipps geben: Modifikation des Lebensstils, Wichtigkeit von regelmäßiger körperlicher Betätigung, Anpassung der täglichen Ernährung, Einnahme oder Verabreichung pharmazeutischer Produkte und die regelmäßige Kontrolle von Blutzuckerwerten, Blutdruck und Körpergewicht. Genau bei der Umsetzung dieser ärztlichen Therapiepunkte setzt meine Tätigkeit als Diabetesberater an. 

Aufgrund der ausführlichen Anamnese meinerseits, der schriftlich verordneten Therapie des Arztes, kann ich dem Betroffenen helfen, die notwendigen Schritte zu lernen, trainieren und selbst zu dokumentieren. Da mein arbeitstechnischer Fokus immer im Erreichen der zwischen Arzt und Patient vereinbarten Therapieziele liegt, bin ich sozusagen das „aufpassende Auge“, welches auf Veränderungen reagiert. 

Digitale Blutzuckermessung

Ein großer Vorteil der digitalen Blutzuckermessung ist der hygienische Aspekt. Weder der Arzt noch der Diabetesberater nimmt zur Einsicht der Aufzeichnungen der Blutzuckerwerte ein mit Blut oder anderen Verschmutzungen kontaminiertes Tagebuch in die Hand. 

Die Funktion der digitalen Blutzuckermessung ist sehr einfach erklärt. Fast alle Anbieter von Blutzuckermessgeräten statten diese Geräte auch mit BT-Funktion aus. Wenn dann am verwendeten Smartphone (egal ob Android oder iPhone) die benötigte App installiert ist und dass Messsystem mit dem Handy gekoppelt wurde, werden die vom Blutzuckermessgerät, Blutdruckmessgerät und fallweise auch schon von Körperwaagen ermittelten Werte sofort an das Handy weitergeleitet. Der Diabetespatient kann dabei zusätzliche Informationen anwählen, wie etwa konsumierte Kohlenhydratanzahl/Broteinheiten, verabreichte Insulinmenge, eingenommene Medikamente und vieles mehr. Alle diese Werte haben einen aktuellen Datums- und Zeitstempel. Dies erleichtert für den Arzt die laufende Diagnostik und Therapiewahl, Erkennung weiterer Risiken, der Diabetesberater kann individueller mit der Beratungs- und Schulungsstrategie ansetzen.

In meinen Schulungen als Diabetesberater für Patienten und Pflegemitarbeiter ist das vorrangige Ziel, die Aneignung von Wissen und Fertigkeiten für ein Blutzuckerselbstmanagement zu vermitteln. Es ist aber auch mein Bestreben, die Akzeptanz der Erkrankung zu fördern und damit das Risiko für Spätfolgen zu vermindern.