Mit einem Atemzug zu den eigenen Grenzen

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Atemstillstand. Christian Thomas Prey erreicht als Apnoetaucher nicht nur große Tiefen im Wasser,  sondern bleibt durch seine mentale Stärke auch in Extremsituationen ruhig und überlegt. Im PULS-Portrait spricht der gebürtige Pongauer über Schlüsselerlebnisse und persönliche Authentizität.

Als Christian Prey nach 30 Minuten im 2,5 Grad kalten Wasser wieder aus dem See steigt strahlt er im Gesicht. Was für den Salzburger Sportler und Mentaltrainer selbstverständlich ist, kann sich der Durchschnittsbürger kaum vorstellen. Durch kontinuierliches Training und eisernen Willen ist er fähig sein Unterbewusstsein umzustellen, um diese Extremleistung zu ermöglichen. 

In Schwarzach St. Veit geboren, zog Prey mit seinen Eltern Ende der 1970er Jahre nach Lochen am See. „Das war der Startschuss für meine Liebe zum Wasser. Sobald es mir möglich war, bin ich in die umliegenden Seen gegangen, und zwar bis in den Herbst, wo andere schon lange nicht mehr baden gingen. Hier war ich in meinem Element“, erzählt er heute. Die Leidenschaft ist wie bei jedem Kind im Spiel entstanden – wie lange kann ich beim Schnorcheln die Luft unter Wasser anhalten? Parallel dazu übte er sich mit fünf Jahren im Kampfsport und begann sich mit sieben Jahren für Mediation zu interessieren. „Ich habe mich sehr viel mit mir selbst beschäftigt. Schon damals erkannte ich, dass Körper und Geist eine Einheit bilden sollen, um auch persönliche Potenziale umzusetzen, die wir von Natur aus bekommen haben“, so Prey weiter.  In der Kälte hat er sich schon als Kind wohlgefühlt und lief als Dreijähriger gerne barfuß im Schnee. Auch bei Depressionen, Angstzuständen kann Kälte helfen. Der Selbstheilungsprozess wird angeregt. Das Immunsystem wird hochgefahren. „Kälte hat positive Effekte. Es hebt das Selbstbewusstsein. Das tägliche Eiswasserbad gibt mir Energie und steigert auch meine psychische Belastbarkeit“ , so Prey weiter.

Verlust des Seins für Haben   

 „Viele Menschen verlieren den Kontakt zu sich selbst durch materialistische Ablenkungen, kurzweilige Befriedigungen und andere Dinge. Dadurch geht auch der Kontakt zur Umwelt und zur Natur abhanden. Aber genau aus diesen Ressourcen beziehen wir Ruhe, Stabilität und Persönlichkeit“, meint Christian Prey. Aus seiner besonderen Begeisterung zum Element Wasser hat sich Christian Prey im Laufe der Zeit zum Extremtaucher entwickelt.

Einschneidendes Erlebnis

Seinen Weg zum Apnoetaucher fand Prey durch ein tragisches Schlüsselerlebnis. Bei einem Arbeitsunfall geriet er mit der Hand zwischen zwei Walzen. Er verlor dabei mehr als zwei Liter Blut und steckte mit der eingequetschten Hand 45 Minuten fest bis Rettung eintraf. In dieser ganzen Zeit jedoch verlor er nie das Bewusstsein, sondern beruhigte sogar noch seine Kollegen. „Das zeigte mir, wie stark ich mental bin.“ Nach zahlreichen Operationen verlor Prey leider zwei Finger und Teile des Handrückens. „Mir wurde gesagt ich könnte mit dieser Hand nie mehr trainieren. Innerhalb von fünf Tagen fing ich wieder an meinen Körper zu belasten, um Impulse zu schaffen. Ich war von Anfang an nicht niedergeschlagen, denn ich war zuversichtlich, meine Hand wieder hinzubekommen. Man muss einfach ganz intensiv an sich arbeiten und an sich glauben. Es rechnet sich immer“, beschreibt der gelernte technische Zeichner für Galvanotechnik und Maschinenbau seine Arbeit an sich selbst.  Im zweiten Bildungsweg absolvierte er den Universitätslehrgang in Kooperation mit dem Mentalcollege, anschließend noch eine Marketingausbildung. Ebenso eine Klangschalenausbildung, weil er auch gern über seinen Tellerrand hinausschauen wollte, wie er sagt.

Selbsteinschätzung

Selbst schätzt sich Christian Prey als authentisch ein und als jemand, der keine Rolle vorspielt. Nur so könne er sich selbst verwirklichen und auch selbst kennenlernen, meint Mentaltrainer Prey. Zudem sei er spontan, experimentierfreudig und gerechtigkeitsliebend. Energievoll, abenteuerlustig, etwas temperamentvoll – aber alles mit Hirn. Diese Eigenschaften brauche er auch für seine Projekte, etwa für Unterwasser-Fotoshootings. „Gerade in Extremsituationen muss man wissen, wer man ist, was man kann und auch was man nicht kann. Ich handle bei meinen Entscheidungen intuitiv. Wenn ich etwa an einem bestimmten Tag kein gutes Gefühl habe in eine Höhle einzutauchen, dann lasse ich es“, erklärt Prey.

APNOETAUCHEN

Unter Apnoetauchen versteht man das Tauchen mit angehaltenem Atem ohne Atemgasversorgung oder über eine andere Quelle. Die vergleichsweise kurzen Zeitspannen, die Apnoetaucher unter Wasser verbringen, sind mit kardiovaskulären und respiratorischen Effekten verbunden, die sich vom einfachen Luftanhalten an der Oberfläche unterscheiden und mit spezifischen Gefährdungen einhergehen. Unabhängig von der persönlichen Leistung ist der grundsätzliche Vorgang beim dynamischen Apnoetauchen immer der gleiche: Nach entsprechender Vorbereitung folgt nach dem Start eine Phase des absoluten Wohlfühlens, die so lange anhält, bis der im Wesentlichen über den ansteigenden pCO2 getriggerte Atemreiz einsetzt. 
Dieser physiologische Abbruchpunkt zwingt Ungeübte rasch zum Atemholen an die Oberfläche. Zunehmende Erfahrung mit den eigenen Reaktionen ermöglicht es, diesen ersten Abbruchpunkt willentlich zu ignorieren, was dann mit mehr oder weniger Stress verbunden ist. Weil sich das Zwerchfell mit heftigen Faszikulationen bemerkbar macht, wird das Ganze sehr unangenehm. Diese sogenannte „Struggle-Phase“ leitet für die meisten den endgültigen Abbruchpunkt ein. Die Athleten im Apnoe-Tauchsport haben sich Mechanismen antrainiert, mit denen sie auch diesen „endgültigen Abbruchpunkt“ zum Teil noch sehr wesentlich hinauszögern können. Der offizielle Weltrekord in der statischen Disziplin liegt übrigens bei 11:35 Minuten.

 Mit Druck zurechtkommen     

Atemübungen und eine mental starke Vorbereitung sind für das Apnoetauchen unerlässlich, besonders bei Tauchgängen in große Tiefen, im Kaltwasser oder bei schlechter Sicht. „Ich muss mit dem Druck in der Tiefe zurechtkommen, und ich muss wissen, wo meine Grenzen liegen, um mein maximales Potenzial gefahrlos ausreizen zu können“, erklärt der Extremsportler.  Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was sie eigentlich zu leisten im Stande sind, wenn sie an sich glauben und mentale Stärke entwickeln. Alle Qualitäten, die man beim Freitauchen trainiert, kann man auch für alle anderen Lebensbereiche verwenden. Entweder, um sich von Alltagsproblemen zu separieren oder auch bei Stress in der Partnerschaft wie auch im Beruf. Das Apnoetauchen ermöglicht ein komplettes Abschalten vom täglichen Ballast. „Je ruhiger ich bin – was ich mit Atem- oder Visualisierungsübungen erreichen kann – desto ruhiger werden die Gedanken“, erläutert Prey. 

Das Gehirn macht nur rund zwei Prozent unseres Körpergewichtes aus. Es benötigt aber rund 25 Prozent der Energie- und Sauerstoffbedarfes. Es ist unser leistungsfähigstes Organ neben dem Herz. Das ist der Preis, den wir für unsere vermeintliche Intelligenz bezahlen müssen. Negative Gedanken aktivieren extrem viele Bereiche im Gehirn und im Körper. Das verbrennt viel Sauerstoff. „Auf das Tauchen umgelegt heißt das, wenn ich beim Abtauchen nur einen Anflug von Unsicherheit oder Angst entwickle, dann kann ich sofort umdrehen. Ich würde in weiterer Folge nicht mehr meine angestrebte Tiefe erreichen. In einem solchen unsicheren Übergangszustand kann dies zu einem kompletten Blackout führen“, erzählt Prey. Neben seinen weltweiten Apnoetauchgängen und Unterwasser-Fotoshootings gibt Christian Prey Selbstverteidigungskurse für Frauen und arbeitet erfolgreich als Mentaltrainer. Sein großes Ziel in diesem Jahr ist ein Tauchgang mit Pottwalen vor den Azoren.                       

 

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