„Du führst dich MANCHMAL auf wie im Kindergarten!“

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Kommt Ihnen diese Aussage auch irgendwie bekannt vor? Manchmal hat man im Berufsleben, ebenso wie in der eigenen Beziehung, wirklich das Gefühl, wieder im Kindergarten zu sein.

Infantiles Verhalten ist uns bis zu einem gewissen Grad auch tatsächlich eigen. Wir sind nämlich alle geprägt von Verhaltensmustern die, wenn wir uns in einer Situation nicht wohl oder ungerecht behandelt fühlen, unser eigenes Verhalten und insbesondere unsere spontanen Reaktionen steuern. Leider meistens (bis immer) völlig unbewusst. Nun passiert also irgendetwas, das uns stört. Jemand spricht vielleicht zu autoritär mit uns oder wir fühlen uns ungerecht behandelt. Und schon reagieren wir nicht mehr so erwachsen wie sonst, sondern – wie früher – aus unserem tiefverankerten Kinder-Ich heraus. 

Wie genau? Das ist dann eine Frage der eigenen Veranlagung. Die einen reagieren möglicherweise trotzig, die anderen rebellisch. Aber warum eigentlich? Wir sind doch mittlerweile alle erwachsen und durchaus selbstreflektiert. Trotzdem können wir bei anderen ein solches Verhalten hervorrufen und selbstverständlich auch selbst ganz prima mit einem doppelten Salto ins Kinder-Ich hüpfen und bei Diskussionen einfach rausgehen und die Türe hinter uns zuschmeißen. Oder uns im eigenen Zimmer, respektive Büro einsperren und schmollen. Ja, das können wir sogar ganz prima. Obwohl wir sonst so souverän agieren.

Meine Bedürfnisse – Deine Bedürfnisse                                                                                                                                      

Das kann man, Anhand einer Schematherapie (nach Young) sehr schön erörtern. Bei diesem Ansatz geht es nämlich darum aufzuzeigen, dass wir Menschen, auch als Erwachsene, uns selbst über unsere eigenen Bedürfnisse steuern und auch definieren. Fühlen wir uns in unserem Umfeld wohl und anerkannt, fällt es uns ganz leicht aus dem Erwachsenen-Ich heraus zu agieren. Weil hier, in diesem Umfeld, unsere eigenen Bedürfnisse voll und ganz befriedigt werden. Fühlen wir uns aber zum Beispiel ausgeschlossen oder zu wenig wertgeschätzt für unser eigenes Handeln und Tun, privat wie auch beruflich, ändern wir unser Verhalten. Dann rufen wir sogenannte Schematas ab.

Haben wir uns als Kinder beispielsweise ungerecht behandelt gefühlt, haben wir das damals schon ganz genauso gemacht. Und diese Unbefriedigung der eigenen Bedürfnisse steuert nun mal eben bis heute unser Verhalten. Unser eigenes, aber selbstverständlich auch das der Anderen oder des Partners. Auch wir können so bei unseren Mitmenschen unabsichtlich dazu beitragen, dass diese Ihr Verhalten verändern. Und zwar innerhalb von Sekunden. Weil wir mit unserem Verhalten ein Schemata bei ihnen ausgelöst haben. 

Dieses Auslösen ist eine der brisantesten Nebenwirkungen in der gesamten Kommunikation. Weil es uns im Normalfall nämlich überhaupt nicht bewusst ist, dass unsere Bedürfnisse oder die der Anderen, in diesem Moment nicht erfüllt werden. Ganz im Gegenteil. Wir reagieren, getrennt voneinander, völlig impulsiv und aus dem Bauch heraus. Und schon haben wir einen Konflikt. Das „kindergartenähnliche“ Verhalten sehen wir dabei jedoch meistens nur beim Anderen.

Wie kann man damit nun umgehen?

Die Lösung hierzu ist gar nicht so schwer. Es braucht aber dafür umso mehr Einfühlungsvermögen, Zeit und zudem ganz besonders viel Selbstreflektion. Im ersten Schritt muss ich mir einmal überlegen, in welchen Situationen ich selbst immer wieder impulsiv reagiere. Und ganz besonders warum. 

Was passiert in dieser Situation konkret, dass ich mich so ärgern und in Rage geraten kann? Welches meiner emotionalen (Grund-)Bedürfnisse wird hier nicht beachtet? Fühle ich mich hier vielleicht gerade ausgeschlossen, bevormundet oder schlecht behandelt? Und im nächsten Schritt sollte ich lernen nach jedem Konflikt erst einmal ganz gezielt zu überbelegen, wie es denn überhaupt dazu gekommen ist. 

Was habe ich gesagt oder getan, dass mein Gegenüber überhaupt erst so in Rage geraten ist?  Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten und der bewusste Umgang mit anderen – respektive auch die sukzessive Auseinandersetzung mit dem Gesprächsverlauf warum es überhaupt erst zu einem solchen Kindergarten-Verhalten kommen konnte… Das ist der Schlüssel zum Erwachsenen-Verhalten.                     

 

 Dr. Sabine Viktoria Schneider