Eine Einkehr als Belohnung - Willkommen im Hüttensommer

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von Thomas Neuhold - Journalist, Alpinist und Lehrbeauftragter an der Uni Salzburg

Hunger, vor allem aber Durst! Und dann taucht bei der Wanderung endlich die lang ersehnte Hütte auf. Für den Sommer 2020 haben wir hier drei besonders empfehlenswerte Hüttenziele zusammengestellt. Manchmal kann ja auch die Hütte das Ziel sein – die Gipfel mögen warten. 

Höllengebirge-Hochleckenhaus

Neben der Rieder-Hütte ist das Hochleckenhaus der zweite alpine Stützpunkt im Höllengebirge. Die auf 1572 Meter gelegene Hütte der AV-Sektion Vöcklabruck im westlichen Teil des Karststockes ist bei den Einheimischen ein beliebtes Trainingsziel, für einen Hüttenausflug empfiehlt es sich im Sommer früh aufzubrechen, dann kann man ab Mittag noch auf einen Schwumm am nahegelegenen Attersee vorbeischauen. Der gebräuchlichste Anstieg führt von der Großalmstraße, die den Attersee mit dem Traunsee verbindet, von der Taferlklause über den Aurachkarsee und den Aurachursprung am Weg Nr. 826 direkt zur Hütte (800 Höhenmeter, 2 bis 2,5 Stunden). Etwas länger ist der Anstieg von der Kienklause an der Großalmstraße vorbei an den Adlerspitzen am Weg 823 zur auf der Grießalm gelegenen Hütte (950 Höhenmeter, 2,5 bis 3 Stunden). Der direkteste Anstieg über den Kugelzipf startet ebenfalls bei der Kienklause, zweigt aber dann bei den Adlerspitzen ab und führt in leichter Kletterei (II) über den Nordwestgrat des Kugelzipfes (1517 m) zur Hütte. Dieser Weg ist nur schwach markiert und bleibt geübten Bergsteigern und Gebietskennern vorbehalten. 

www.hochleckenhaus.at 

Loferer Steinberge Schmidt-Zabierow-Hütte

Die Loferer, wie auch die Leoganger, Steinberge haben einen ganz eigenen Reiz. Oberhalb von rund 2000 Metern findet man hier eine beinahe vegetationslose Steinwüste, eine archaisch anmutende Landschaft. Mitten in dieser „Wüste“ dann eine kleine Oase, die Schmidt-Zabierow-Hütte des Deutschen Alpenvereines – Sektion Passau. Namenspatron der Hütte auf 1966 Meter ist übrigens der erste Vorsitzende der Sektion Passau Josef Schmidt – Edler von Zabierow. Der Hüttenzustieg beginnt beim Wanderparkplatz im Loferer Hochtal (807 m) und führt am Weg 601 teilweise auch steil (Trittsicherheit erforderlich) zuerst durch Buchenwald, dann über die freien Flächen des Mittleren und des Oberen Tret in vielen Kehren direkt hinauf zur Hütte. Immerhin 1150 Höhenmeter (3 Stunden) verlangen ein gewisses Maß an Fitness für den Hüttenzustieg. Der Lohn ist nicht nur die grandiose Szenerie der Arena bleicher Kalkfelsen zwischen Ochsenhorn und Breithorn, sondern auch eine Halbe Andorfer Weißbier aus Passau – vermutlich eines der besten Weißbiere Bayerns. 

www.schmidt-zabierow.at 

Reiteralpe - Neue Traunsteiner Hütte

Am Plateau der Reiter Alpen im benachbarten Bayern finden sich gleich zwei Traunsteiner Hütten. Die alte (nicht mehr bewirtschaftete) Hütte steht auf österreichischem Boden, die neue auf deutschem Boden. Die zwei, nur einen Katzensprung voneinander entfernten Hütten sind Ergebnis der 1000-Mark-Sperre, mit der das nationalszozialistische Deutschland in den 1930er-Jahren (erfolgreich) versucht hat, die Wirtschaft des austrofaschistischen Österreichs zu schwächen. Da der Übergang nach Österreich de facto unmöglich gemacht wurde, hat die Traunsteiner Sektion des Alpenvereines eine monumentale Hütte auf der bayerischen Seite erbaut. Die bedrückend herrschaftliche NS-Architektur ist heute noch gut erkennbar. Ausgangspunkt ist der Parkplatz bei der Bundeswehr-Erprobungsstelle in Unterjettenberg (deutsche Alpenstraße Abschnitt Schneizlreuth-Ramsau). Vom Parkplatz auf der asphaltierten Straße durch die Militäranlage zum gut ausgebaute Schrecksteig. Dieser führt durch den Wald hinauf zu den Felsen. Im oberen Teil wurde der Steig 1939 in den Fels gesprengt – eine Erinnerungsgravur knapp vor dem Schrecksattel ist heute noch gut sichtbar. Vom Schrecksattel (1620 m, Kreuz und Gedenktafeln) führt der Steig dann wieder als schmaler Fahrweg am Rand des Militärgebietes bergauf-bergab nach Süden zur Neuen Traunsteiner Hütte (1560 m, 1100 Höhenmeter 3 – 3,5 Stunden Asntieg). Die alte Traunsteiner Hütte liegt im Südwesten zirka fünf Gehminuten am Plateau. 

www.traunsteinerhuette.at