Im Interview: Die Salzburger Schriftstellerin Christine Haidegger

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Frau Haidegger, Sie sind Gründungsmitglied der Salzburger Autorinnen Autorengruppe, Gründerin des Salzburger Literaturhauses und Vorstandsmitglied der IG Autorinnen Autoren. Beschreiben Sie doch Ihre persönlichen Anfänge in Salzburg.

Haidegger: Als ich in den sechziger Jahren nach Salzburg kam, gab es kaum literarisches Leben in der Stadt. Mit einigen Studenten der Germanistik gab es erste Treffen in unserer Wohnung am Südtirolerplatz, die sich schnell zu einer beliebten Künstleradresse entwickelte.  Wir hielten erste Lesungen im Künstlerhaus und danach im Traklhaus. Mit der von mir und anderen später wichtig gewordenen AutorInnen „in Handarbeit“ hergestellten Literaturzeitschrift „Projekt-IL“ hatten wir  auch ein Sprachrohr nach außen geschaffen.  Es waren politisch aufregende Zeiten, in denen wir uns – bisweilen auch mit Demonstrationen – für  eine breitere Kunstszene engagierten.

Wie entstand eigentlich die Idee eines eigenen Literaturhauses?

Haidegger: In den späten 80-er Jahren gab es schon einige Literaturgruppen in der Stadt Salzburg. Die „Leselampe“ und die „Salzburger Autorengruppe“ suchten schon länger vergeblich nach einer dauerhaften Bleibe. Gemeinsam mit Dr. Haslinger wurden wir im Stadtteil Lehen im Eizenbergerhof fündig.  „Träum weiter“, sagte er zu mir, als ich bei der ersten Hausbegehung bereits Skizzen für den Umbau zeichnete. Es war viel Hartnäckigkeit vonnöten, um die politisch Verantwortlichen von der Wichtigkeit einer solchen Einrichtung zu überzeugen. 1991 konnte dann unter Dr. Herbert Fartacek das Salzburger Literaturhaus seiner Bestimmung übergeben werden. Mittlerweile ist es längst zu einer festen kulturellen Einrichtung gereift, in der jährlich mehrere tausend Salzburginnen und Salzburger aller Altersklassen für Literatur begeistert werden.

Wie sind Sie eigentlich persönlich zur Literatur gekommen?

Haidegger: Wie bei vielen anderen auch ganz normal übers Lesen und Schreiben! Meine Mutter war eine tolle Erzählerin und ich entdeckte früh meine Leidenschaft für Bücher.  Die Pfarrbibliothek in Bad Ischl bot viele Reiseberichte und Geschichten aus der Kaiserzeit.

Sie sind im Salzkammergut aufgewachsen und haben dort auch maturiert. Was hat Sie nach Salzburg gebracht?

Haidegger: Nach der Matura suchte ich einen Sommerjob. Die ÖBB suchten damals eine zweisprachige Zugansagekraft. Englisch und Französich konnte ich schon, die Durchsetzungskraft in einem fast reinen Männerbetrieb musste ich aber erst erlernen. Nach einem kurzen Intermezzo in Italien kehrte ich anschließend zu den ÖBB nach Salzburg zurück, wo ich dann meinen Mann, Eberhard Haidegger, kennenlernte.

Sie waren auch lange Jahre beim „Salzburger Fenster“ als Lektorin tätig. Welche Erinnerungen verbinden Sie noch an diese Zeit?

Es waren aufregende Jahre in einem netten Team. Bisweilen auch hektisch – so wurde einmal für die Endproduktion aus Personalmangel ein Grafiker direkt aus dem Krankenhaus an den Arbeitsplatz geholt. Heute unvorstellbar waren vor allem die verrauchten Arbeitszimmer, wozu ich leider auch meinen Anteil leistete.

Sie haben auch zahlreiche litererische Preise und Auszeichnungen erhalten. Was bedeuten sie Ihnen?

Haidegger: Meine liebste Auszeichnung unter allen ist sicherlich das Goldene Verdienstzeichen des Landes Salzburg. Weil es nicht nur für  eine Würdigung meines Schaffens steht, sondern auch für meine Leistung um die allgemeine Vermittlung von Literatur in Stadt und Land Salzburg.  

Fürchten Sie nicht angesichts des wachsenden Einflusses digitaler Medien, dass Printmedien und  Bücher die großen Verlierer des 21. Jahrhunderts sein werden?

Haidegger: Die jetzige Corona-Zeit hat dem Lesen wieder zu einer bestimmten Bedeutung verholfen. Ich würde mir wünschen, dass viele Eltern dabei bleiben werden, ihren Kindern vorzulesen und viele dieser Kinder mit ihrer Lust am Lesen erwachsen werden. Digitalisierung und Bücher sollen auch gut nebeneinander existieren können, denn beide sind „fantastische“ Möglichkeiten der Sinneserweiterung  – auch gut im Kampf gegen Engstirnigkeit und Rassismus.

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Haidegger: Nachdem ich gerade meinen Lyrikband „Von der Zärtlichkeit der Wörter“ fertiggestellt habe, muss ich jetzt vor allem aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer treten. Die Leitung der Grazer AutorInnen Autorengruppe für Salzburg habe ich heuer an Christoph Janacs übertragen. Zu besonderen Anlässen werde ich aber weiterhin versuchen, Menschen für Literatur zu begeistern. Vielleicht schaffe ich auch noch meinen „Kurschatten-Roman“ fertigzustellen. Wer weiß?

Frau Haidegger, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!