Derzeit keine Entschädigung für Pflege-Praktikanten

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Umfrage: Insgesamt sind 59,4% der Befragten nach 2 Wochen bereits voll im Arbeitsprozess eingebunden und arbeiten großteils wie angestelltes Personal mit.

Die Corona-Krise hat die Notwendigkeit eines funktionierenden Gesundheitssystems drastisch vor Augen geführt. Um die hohe heimische Qualität zu halten, braucht es ausreichend gut ausgebildetes, motiviertes Personal. Allerdings scheitert die Politik seit Jahren an Lösungen zur Bekämpfung des drohenden Pflegemangels. Ein Ansatz, um den Nachwuchs für eine Ausbildung in der Branche zu motivieren, wäre aus Sicht der AK die grundsätzliche finanzielle Abgeltung von Praktikumsstunden von FH-Studierenden. „Eine österreichweit einzigartige Umfrage zeigt jetzt, dass bei den Praktika die Auszubildenden beinahe als vollwertiges Personal eingesetzt werden. Sie erhalten dafür jedoch keinen Cent. Es ist Zeit diese Ungerechtigkeit zu beenden“, kritisiert AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder. So werden etwa über 81% der Praktikanten auch am Wochenende eingesetzt, 62% an Feiertagen, 37% machen Nachtschichten. Mehr als 30% machen Überstunden.

Vollwertige Kräfte

„Wir lernen sehr viel in den Praktika. Die Ergebnisse belegen jedoch eindeutig, dass der Ausbildungszweck nicht immer im Vordergrund steht, sondern die Pflegetätigkeit selbst. Es ist daher höchst an der Zeit, dass auch für Pflichtpraktika künftig eine faire Bezahlung geleistet wird“, bringt es Christina Mayrhofer auf den Punkt. Die Studierendenvertreterin am Campus Urstein hat sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen des Themas angenommen. Sie freut sich über die Unterstützung der Arbeiterkammer. 

Vorbild Deutschland

„In Sonntagsreden und Imagekampagnen werden die Pflegekräfte insbesondere in der aktuellen Corona-Krise als Heldinnen und Helden des Alltags gefeiert. Diese Wertschätzung findet jedoch finanziell keinen Niederschlag. Die Landespolitik hat es jetzt in der Hand, ihren Worten Taten folgen zu lassen“, so der AK-Präsident. Als Vorbild könnte das benachbarte Bayern dienen. Dort erhalten Auszubildende beispielsweise an den Berufsfachschulen für Krankenpflege in Traunstein und Bad Reichenhall bereits im 1. Jahr 1.140 Euro brutto monatlich. Im 3. Jahr werden immerhin 1.303 Euro bezahlt. Monatlich, nicht nur während des Praktikums!

Österreich steuert insgesamt auf einen Pflegekräftemangel zu – Gründe sind unter anderem eine zu geringe Nachfrage nach Ausbildungsplätzen, eben wegen unattraktiver Rahmenbedingungen. Der Grundstein für den frühen Ausstieg aus der Branche wird aus Sicht der AK bereits im Rahmen der Ausbildung gelegt. „Viele entscheiden sich für den Pflegeberuf, weil sie anderen Menschen helfen wollen. Bewusst nehmen sie dabei in Kauf, dass die Einkommen im Vergleich zu anderen Branchen geringer ausfallen. Eine intelligente Arbeitsteilung mit anderen Gesundheitsberufen, mehr Kompetenzen bei einem höheren Entgelt und insgesamt eine solide Personalausstattung können den Beruf wesentlich attraktivieren“, so Eder weiter.