Sonntag, 18. November 2018

Immunstark im Herbst und Winter

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Rinnende Nasen, Schnupfen, Husten, Fieber oder Atemwegsinfekte während der Kindergarten- oder Schulzeit sind keine Seltenheit. In erster Linie werden Krankheiten durch Viren ausgelöst und hier sind es vor allem jene, die den Atemwegstrakt betreffen, wie Influenza-, Para Influenza-, Adenoviren aber auch Viren, die über den Verdauungstrakt in den Organismus gelangen. Weniger häufig, dafür oft mit dramatischem Verlauf, sind bakterielle Infektionen wie Keuchhusten, oder eine Lungenentzündung, bei der die Impfung die beste Prophylaxe darstellt.

Damit es zu einer Infektion kommen kann, braucht es einerseits krankmachende Erreger wie Bakterien oder Viren und andererseits einen empfindlichen Organismus. Unser Immunsystem schützt uns grundsätzlich vor krankmachenden äußeren Einflüssen. Bei Säuglingen wird das Immunsystem primär schon während der Schwangerschaft über das mütterliche Immunsystem vorbereitet und unterstützt. Dieser Schutz hält für circa. drei Monate an und wird zusätzlich über die Muttermilch unterstützt. Ab der Geburt arbeitet das eigene Immunsystem. Es lernt täglich über Kontakte zu unserer Umwelt mit äußeren Reizen adäquat umzugehen. Eine wichtige Aufgabe des Immunsystems ist es, Bakterien und Viren abzuwehren, andererseits Fremdstoffe nicht überzubewerten und somit Allergien auszulösen. Abwehrzellen des Immunsystems sind typischerweise an unseren körperlichen Eintrittspforten vermehrt vorhanden. Das sind in erster Linie die Schleimhäute der Atemwege und ganz besonders jene des Verdauungstraktes. Es ist für unser Immunsystem also wichtig, schon frühzeitig Kontakt zu fremden Stoffen zu bekommen, um ein Immungedächtnis zu bilden. Ein Aufwachsen in steriler Umgebung hätte fatale Folgen. Üblicherweise hat das Immunsystems eines Säuglings noch wenig zu tun, zusätzlich geschützt durch mütterliche Antikörper kann es sich langsam aufbauen. Im Normalfall bekommt das Immunsystem erst mit dem Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung wie Kindergarten oder Schule mehr Kontakt zu Viren und Bakterien, was sich in vermehrten Infekten äußert.

Prävention

Eltern können nun versuchen, die Belastung für das kindliche Immunsystem im Rahmen zu halten, indem ein gewisses Maß an Hygiene eingehalten wird. Dazu gehören: Regelmäßiges Hände waschen, nicht alles in den Mund stecken, Menschenansammlungen meiden. Ebenso allgemeinen Stress für den Organismus vermindern und für einen geregelten Tagesablauf mit ausreichend Schlaf sorgen. Auch das Vermeiden von Temperaturstress – zu warm ist genauso schlecht wie zu kalt – gehört dazu. Zudem sollten gerade in der kalten, trockenen Jahreszeit ausreichend Flüssigkeit und Vitamine zugeführt werden. Als hilfreich erweist sich auch das Erhöhen der Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen während der kalten Jahreszeit, um Schleimhäute zu entlasten, sowie regelmäßige Nasenspülungen. Auch moderater Sport beziehungsweise körperliche Bewegung aktiviert die Abwehrkräfte und bringt durch vermehrtes Schwitzen und Schleimsekretion schädigende Einflüsse aus dem Körper.

Fit und Fieberfrei

Früher galt die Regel: Drei Tage fieberfrei, bevor man wieder in den Alltag zurückkehrt. Diese Regel gilt heute nur mehr bedingt. Grundsätzlich sollten Kinder mindestens 24 Stunden fieberfrei sein. Erweitert wird diese Empfehlung für die Wiederaufnahme von Sport. Hier sollte zumindest die gleiche Anzahl an Tagen Fieberfreiheit bestehen wie man Fieber gehabt hat, bevor wieder mit verstärkter körperlicher Aktivität begonnen wird.

 

Dr. HOLGER FÖRSTER ist Kinderarzt: „Es ist für unser Immunsystem wichtig, 
schon frühzeitig Kontakt zu fremden Stoffen zu bekommen, um ein Immungedächtnis zu bilden.“