Samstag, 19. Januar 2019

Die ewig kranke Nase

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Die chronische Nasennebenhöhlenentzündung hat sich in der letzten Zeit zu einer der bedeutendsten Volkskrankheiten der westlichen Welt entwickelt, erklärt Univ. Doz. Dr. Gerhard Oberascher im PULS-Interview.

Während die akute Nasennebenhöhlenentzündung bei entsprechender Therapie nach kurzer Behandlungszeit ausheilt, ist die chronische Form dieser Erkrankung wesentlich schwieriger zu behandeln. Zwischen 10 und 15 Prozent der Bevölkerung sind daran erkrankt. Damit gehört die chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Rhinosinusitis) zu den zehn häufigsten Erkrankungen in Europa. Frauen sind öfter betroffen als Männer, ebenso Raucher. Über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten sprachen wir mit dem Facharzt für HNO, Kopf- und Halschirurgie, Univ. Doz. Dr. Gerhard Oberascher.

Welche Arten der chronischen Nasen­nebenhöhlenentzündung gibt es und welche Symptome treten auf?

UNIV. DOz. Dr. OBERASCHER: Wir unterscheiden zwischen einer chronischen Rhinosinusitis (CRS) ohne und mit Vorhandensein von Nasenpolypen. Letztes betrifft ca. 20% der Patienten mit CRS. Bei beiden Formen kommt es zu einer permanenten entzündlichen Anschwellung der Schleimhaut, primär in den Siebbeinzellen und dann auch in der Kieferhöhle sowie der Stirnhöhle. Man spricht von einer CRS, wenn die Beschwerden länger als zwei bis drei Monate andauern. Lokale Symptome sind: behinderte Nasenatmung, ständig verstopfte Nase und Nasensekretion. Dieser Schleim kommt aber nicht aus der Nase, sondern fließt nach hinten in den Rachen ab. Häufig besteht auch eitriger Ausfluss, weiters Gesichts- bzw. Kopfschmerzen und Reduktion oder Verlust des Geruchssinns. Neben diesen lokalen Symptomen gibt es auch Fern- bzw. Allgemeinsymptome wie Irritation des Rachens mit morgendlichem Räusperzwang, Globusgefühl (Frosch im Hals), Heiserkeit mit Stimmschwäche und Husten sowie Bronchitis. Allgemeinsymptome sind Benommenheit, Krankheitsgefühl, leichtes Fieber und gelegentlich Schlafstörungen. Die CRS ist hochsignifikant mit Asthma bronchiale, gastroösophagealem Reflux und depressiver Verstimmung assoziiert. Die Einschränkung der Lebensqualität ist überraschend hoch und entspricht der eines mittelschweren Asthmas.

Worin liegen die Ursachen?

UNIV. DOz. Dr. OBERASCHER: Gerade in der heutigen Zeit spielen Bakterien, wie z.B. der Staphylococcus aureus, eine bedeutende Rolle. Aber auch anatomische Faktoren wie Engstellen der Nasennebenhöhlen, eine verkrümmte Nasenscheidewand und vergrößerte Nasenmuscheln. Zusätzliche Auslöser sind Pilzsporen, Allergien, eine zunehmende Umweltverschmutzung und ungesunde Ernährung.

Wie sind heute die modernen diagnostischen Möglichkeiten?

UNIV. DOz. Dr. OBERASCHER: Diese reichen von der umfassenden Erhebung einer Anamnese, Abtasten der betroffenen Stellen, wie Kieferhöhle, Siebbeinzellen und Stirnhöhle. Bei Verdacht auf eine vorliegende Allergie wird ein Allergietest durchgeführt. Außerdem ist eine Nasenendoskopie, welche ohne Schmerzen in der Ordination durchgeführt werden kann, mittlerweile längst State of the art. Bei Vorliegen von eitrigem Sekret muss unbedingt ein Abstrich mit Keimbestimmung erfolgen. Eine Computertomographie der Nasennebenhöhlen ist das bildgebende Verfahren der Wahl, da mit dieser Methode eine optimale Darstellung von Luft, Knochen und Entzündungsherden möglich ist. In speziellen Fällen, insbesondere bei Kindern, ist eine Kernspintomographie vorzuziehen, da diese Methode keine Strahlenbelastung aufweist.

Welche Behandlungsmöglich­keiten gibt es?

UNIV. DOz. Dr. OBERASCHER: Primär kommen konservative Therapiemethoden zum Einsatz, wie tägliche Spülungen mit Solelösungen und leicht cortisonhältige Nasensprays. Diese wirken jedoch nur an der Schleimhaut und haben keine Nebenwirkungen auf den gesamten Körper. Bei immer wieder auftretendem, eitrigem Nasenausfluss sind Antibiotika unerlässlich. Zusätzlich sehr wichtig sind pflanzliche Mittel, aber auch die Komplementärmedizin, wie Akupunktur, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und die Homöopathie. Bei Vorliegen einer Allergie sollte natürlich auch diese therapiert werden. Nützen all diese Maßnahmen jedoch nicht und insbesondere bei ständig größer werdenden Nasenpolypen, ist eine endoskopische, minimal invasive Operation (FESS) in Narkose sinnvoll. Dabei werden über die Nasenöffnungen die Engstellen der Nasennebenhöhlen erweitert und die chronischen Entzündungsherde entfernt. In vielen Fällen führt man zusätzlich eine Begradigung der Nasenscheidewand und Verkleinerung der Nasenmuscheln durch. Mit dieser Operation ist in einem sehr hohen Prozentsatz eine deutliche Verbesserung der lokalen Beschwerden und auch der Lebensqualität zu erzielen.