Lachen als Medizin verschreibungsfrei, kostenlos und sehr gesund

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Dr. Brigitte Gappmair  

Am ersten Sonntag im Mai ist seit 1998 der Welttag des Lachens, begründet von Dr. Madan Kataria, der auch die Yoga-Lachbewegung geschaffen hat. Durch gemeinsames Lachen sollen weltweit Brüderlichkeit, Freundschaft und Frieden erreicht werden.

Böse Zungen – natürlich nur die aus anderen Bundesländern – behaupten manchmal, die Salzburger gingen zum Lachen in den Keller. Das stimmt so natürlich überhaupt nicht. Grantscherm, Jammerer und Nörgler gibt es hier bestimmt nicht mehr als anderswo in Österreich. Aber es trifft schon zu, dass in der Alpenrepublik generell - verglichen mit anderen Ländern - wenig gelacht wird. Obwohl wir objektiv gesehen weit mehr zu lachen hätten als Millionen Menschen anderswo auf der Welt: wir leben in einem der schönsten Länder der Erde in weitgehend intakter, gesunder Umwelt. Wirtschaftlich liegt Österreich weltweit im Spitzenfeld, das Sozial- und Gesundheitswesen ist vorbildlich, dem weitaus überwiegenden Teil der Bevölkerung geht es materiell sehr gut, es fehlt an nichts. Zumindest ihr Wohlstand könnte den Österreicherinnen und Österreichern also schon öfter wenigstens ein Lächeln entlocken. Tut es aber nicht.Denn ganz offensichtlich korreliert materielles Wohlergehen nicht zwangsläufig mit einem hohen Wert im internationalen Glücklichkeits-Ranking bzw. in der Lach-Häufigkeit. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass in so gut wie allen afrikanischen Ländern – ob ganz oder weniger arm – quer durch alle Alters- und Sozialschichten deutlich mehr gelacht wird als in Mitteleuropa? Das hat Deutschlands bekanntester Lachforscher – ja, das gibt es, die Wissenschaft nennt sich Gelotologie – Rainer Stollmann in ausgedehnten Studien vor Ort festgestellt. Stollmann, Professor am Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft der Universität Bremen, der sich 1995 mit seiner Arbeit zum Thema „Natur und Kultur des Lachens“ habilitiert hat, konnte auch Unterschiede in der Lachfrequenz in europäischen Ländern feststellen: „In Europa lachen die Engländer am meisten, sie sind die Weltmeister des Humors“. Ob den Engländern wegen des Brexit-Chaos der vergangenen Wochen und Monate das Lachen womöglich vergangen ist, war übrigens noch nicht Gegenstand der Lachforschung. Wesentlich weniger Gründe zum Lachen finden laut Stollmanns Forschungen die Deutschen und Österreicher, aber auch in Japan, wo es den Leuten ja auch sehr gut geht, wird ziemlich wenig gelacht. Aber woran  liegt es – wenn nicht am Wohlstand – dass in Gesellschaften häufiger oder seltener gelacht wird? „Das wurde noch nicht eingehend genug erforscht, um darüber klare Aussagen treffen zu können“, sagt Professor Stollmann. Nur eines trifft in allen Ländern zu: Kinder lachen weltweit bis zu zehnmal öfter als Erwachsene, die hierzulande auf gerade mal 15 bis 20 Lacher täglich kommen.

Nichts ist so gesund wie das Lachen

Dass Lachen gesund ist, wusste als Erster schon Hippokrates um 400 vor Christus. Diese Erkenntnis wurde über die Jahrhunderte von vielen Aufklärern bis hin zu Immanuel Kant immer wieder aufs Neue bestätigt – nur die Obrigkeiten hatten oft wenig Freude wenn das Volk lachte. So hat die katholische Kirche das Lachen über 1000 Jahre lang sogar verboten, weil auch Jesus in der Bibel angeblich nie gelacht hat. Einfach lachhaft, solch fadenscheinige Begründungen, die allerdings fatal an jene heutiger Fundamentalisten im Islam erinnern, die die Musik verbieten weil sie „des Teufels ist“. Ein Wunder, dass gerade in moslimisch geprägten Gesellschaften trotzdem viel gelacht wird. Das Lachen – es lässt sich nicht verbieten. Die medizinische Forschung versucht seit Jahrzehnten weltweit, dem Einfluss des Lachens auf Körper und Psyche auf den Grund zu gehen, und von Jahr zu Jahr wächst das Wissen und das Staunen darüber, was Lachen alles bewirken kann. Gehen die Mundwinkel nach oben, weiß das Gehirn, dass es lustig wird und schüttet die „Glückshormone“ Endorphin und Serotonin aus – man fühlt sich dann schon mal ganz gut. Wird das Lachen intensiver weil vielleicht der Witz so gut war, dann wird körperliche Schwerarbeit daraus, an der nicht weniger als hundert Muskeln beteiligt sind – vom Gesicht, über die Atmung, bis runter zu den Bauchmuskeln breiten sich die Aktivitäten aus, die Bronchien werden durchlüftet, mehr Sauerstoff kommt ins Blut und in die Organe, Herz und Kreislauf werden angeregt. Deutlich mehr T-Lymphozyten werden ausgeschüttet, ebenso Gamma-Interferon, was den Schluss zulässt, dass Lachen auch das Immunsystem stärkt. 

Lachen macht klüger, attraktiver, kommunikativer

Lachen ist der soziale Kitt schlechthin. Menschen, die gut drauf sind und oft lachen, sind beliebter, finden leichter Freunde, kommen am Arbeitsplatz schneller nach oben. Ein Begrüßungslächeln ist schon mal ein guter Einstieg in jedes Gespräch, ein entschuldigendes Lächeln macht Fehler nur noch halb so schlimm und ein Lacher hilft oft über Unsicherheiten hinweg. Warum das so ist? Weil „nichts in der Welt so ansteckend ist wie Gelächter und gute Laune“, wie schon Charles Dickens wusste. Zu lachen, so weiß die Berliner Psychologin Dr. Katharina Tempel, die hauptberuflich Menschen zum Lachen und Glücklichwerden verhilft, „macht gesünder, klüger, attraktiver und glücklicher. Es ist ein Medikament, das komplett ohne jede Nebenwirkung einhergeht. Es ist einfach, kostenlos, jederzeit verfügbar und wird in der ganzen Welt verstanden“.

Die Tanganjika-Lachepidemie

Am 30. Jänner 1962 brachen drei Schülerinnen einer Mädchenschule in Kashasha am Westufer des Victoria-Sees in Lachen aus, ohne damit wieder aufhören zu können. In kurzer Zeit wurden 95 der 159 Schülerinnen im Alter von 12 bis 18 Jahren davon angesteckt, sodass die Schule am 18. März geschlossen werden musste da kein regulärer Betrieb mehr möglich war. Die nach Hause geschickten Schülerinnen sorgten für eine weitere Verbreitung der Lachanfälle, die bis zu 1000 Personen erfasste.  Erst sechs Monate später ging das Phänomen etwas zurück, manche lachten aber auch noch zwei Jahre danach. Das Ereignis ging als „Tanganjika-Lachepidemie“ in die Medizin-Geschichte ein und gilt als Beispiel einer ungewöhnlichen Massen-Hysterie, deren Auslöser bis heute unbekannt geblieben ist. Niemand weiß, warum damals so viele Leute so viel und lang gelacht haben. Gesund war das nicht mehr, viele erlitten dabei Krämpfe; ernsthafte Verletzungen oder gar Todesfälle gab es aber nicht.