Immer mehr Spitalsinfektionen

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Der Anstieg von resistenten Keimen macht Krankenhäusern zu schaffen. Hygiene-Maßnahmen sind oberstes Gebot, erklärt Dr. Bodo Kirchner vom UKH Salzburg im PULS Interview.

Wenn man sich einer OP unterziehen muss, muss man da Angst haben, sich im Krankenhaus eine Infektion einzufangen?

Dr. Kirchner: Die gute Nachricht ist: In Österreich im Normalfall nicht. Wenn man aber in Ländern wie Griechenland oder Marokko einen Unfall hat, und dort ins Krankenhaus kommt, ist die Gefahr einer Spitalsinfektion realtiv hoch. Eine Rückholversicherung bei Urlauben ist daher durchaus sinnvoll. Die schlechte Nachricht ist, die auch Länder mit einem hohen Hygienestandard betrifft:  Wir haben mehr Spitalsinfektionen als früher. 

Woran liegt das?

Dr. Kirchner: Es sind mehr resistente Keime im Umlauf. Krankenhäuser sind Orte, wo sich Keime ansammeln, ebenso übrigens wie in Seniorenheimen. Die Keime finden sich überall, in den Toiletten, an den Türgriffen, vor allem aber auf der menschlichen Haut, bei jedem von uns.

Wer ist am meisten gefährdet?

Dr. Kirchner: Abwehrgeschwächte Patienten sowie Patienten, die schon in einem anderen Krankenhaus aufgenommen und wieder verlegt wurden. Dazu spielt neben dem Alter auch die Dauer eines Spitalsaufenthalts eine nicht unwesentliche Rolle: Ein Patient, der drei Wochen lang auf der Intensivmedizin liegt, unterliegt einem hohen Risiko. Jemand, der nur ambulant zur Magenspiegelung kommt, hat vergleichsweise nur ein geringes Risiko. 

Soll man Spitalsaufenthalte, soweit das möglich ist, vermeiden?

Dr. Kirchner: Da ist schon was dran. Die Haltung, ich geh ins Spital und lass mich durchchecken, ist zu hinterfragen. Da ist es empfehlenswerter, man macht das bei niedergelassenen Ärzten. Ins Spital sollte man grundsätzlich nur dann, wenn das aufgrund einer schweren Erkrankung oder Verletzung unumgänglich ist. 

Weiß man in den Spitälern, mit welchen Keimen man es zu tun hat?

Dr. Kirchner: Wir können das Keimspektrum über Abstriche, beispielsweise bei Wunden, kontrollieren. Über ein Screening wissen wir auch, über welche Resistenzen die Keime verfügen. Das hilft bei der Frage, ob für die weitere Behandlung überhaupt Antibiotika eingesetzt werden müssen und wenn ja, welches gezielt für die weitere Behandlung erfolgsversprechend ist. 

Ohne Antibiotika geht es nicht?

Dr. Kirchner: Bakterielle Infektionen erfordern Antibiotika. Mit dem Einsatz von Breitbandantibiotika erzeugen wir aber auch neue Resistenzen. Das führt dazu, dass wir uns immer häufiger mit aggressiven, multiresistenten Keimen auseinandersetzen müssen. 

Ist es frustrierend, diese Problematik nicht in den Griff zu bekommen?

Dr. Kirchner: Aussichtslos ist es nicht. Obwohl wir es mit einer größeren Anzahl von resistenten Keimen zu tun haben, verzeichnen wir nicht mehr Todesfälle durch Spitalsinfektionen. 

Worauf ist das zurückzuführen?

Dr. Kirchner: Auf ein konsequentes internes Hygiene-Management. Das beginnt bei den Desinfektionsmaßnahmen unseres Personals und geht bis zur UV-Lichtreinigung von Oberflächen und Gegenständen. 

Was kann man als Patient tun, um sich selbst und andere vor Spitalsinfektionen zu schützen?

Dr. Kirchner: Es empfiehlt sich, am Abend vor einem Spitalsaufenthalt gründlich zu duschen. Jeder ist ja Träger von Keimen, die in der Regel über die Haut übertragen werden. Händewaschen – und noch viel besser – das Desinfizieren der Hände ist eine einfache aber sehr wirksame Maßnahme. Das macht den Keimen das Leben schwer.  

Das Salzburger Magazin für Medizin, Gesundheit und Freizeit

Email:

office@pulsmagazin.at

Telefon:

+0699 699 11810847