Pflege braucht einen „grünen Daumen“

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Seit acht Jahren ist Margareta Bruckner Pflegedirektorin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg. Im PULS-Interview erklärt sie, was den Pflegeberuf auszeichnet und warum mehr Entscheidungsbefugnis notwendig wäre.

Wie sehen Sie die Pflegesituation in Sachen Nachwuchs und Ausbildungsqualität?

Bruckner: Ich glaube, die jungen auszubildenden  Menschen sind heute anders im Vergleich zu früher – und das ist auch gut so. Die neue Generation agiert selbstbestimmter und sagt, was sie braucht und was sie nicht braucht. Denn gerade im Pflegeberuf ist enorm wichtig, die eigenen Grenzen – physisch wie psychisch – zu erkennen. Nur wenn ich weiß, wieviel Energie ich hergeben kann, kann ich mich steuern und mir bei Bedarf Hilfe holen. 

Was zeichnet Pflegende aus?

Bruckner: Das ist vor allem deren hohe soziale Qualität. Pflegende zeichnet ihre Motivation aus, auf andere Menschen zuzugehen und sich selbst in den Hintergrund zu stellen. Wenn man Pflanzen gut pflegen kann, sagt man ja, man hat einen grünen Daumen. Ich glaube in der Pflege ist es gleichfalls wichtig, einen „grünen Daumen für Pflege“ zu haben. Das heißt, zu den Menschen einen guten empathischen Zugang zu haben, wenn man eine Verbesserung für andere erzielen möchte.

Was sagen Sie zu einem jungen Menschen, warum er einen Pflegeberuf ergreifen soll?

Bruckner: Weil es ein wunderschöner und erfüllender Beruf ist. Man hat Kontakt zu vielen Menschen und sehr viele berufliche Möglichkeiten. Ich denke hier an eine Fachkarriere oder auch an Führungskarrieren, wie zum Beispiel eine Stationsleitung. Ebenso steht die Tür für eine Expertenkarriere offen, zum Beispiel in der Diabetes-Beratung. Auch auf den Stationen gibt es diverse Schwerpunktfelder, wie zum Beispiel im Bereich Kinder, OP, Intensivmedizin und vieles andere mehr. 

Sollten die Entscheidungsbefugnisse der Pflege erweitert werden?

Bruckner: Ja, denn die Expertise wäre grundsätzlich vorhanden. Und die Kompetenzen sollten auch gelebt werden dürfen. Für das Legen eines Katheders benötigen wir etwa noch immer eine eigene  ärztliche Anordnung. Aber auch etwa im Wundmanagement, wo die Pflege über eine ausgezeichnete Expertise verfügt. Bei der letzten Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes wäre vorgesehen gewesen, dass wir die Weiterverschreibung von diversen Pflegeprodukten durchführen. Das ist aber ein totes Recht, denn es ist nie eine Verordnung dazu gemacht worden. Und es ist nie beschrieben worden, wie das umgesetzt werden soll. Das ist schade. 

Das Salzburger Magazin für Medizin, Gesundheit und Freizeit

Email:

office@pulsmagazin.at

Telefon:

+0699 699 11810847