Fettleibigkeit ist ein kollektives Versagen

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Adipositas ist nicht nur ein optisches Erscheinungsbild, sondern vielmehr eine ernstzunehmende Krankheit!

Weltweit zeigen sich 2 Milliarden Menschen übergewichtig, 600 Millionen davon adipös. Jeder siebente Österreicher ist von krankhafter Fettsucht betroffen. 2,8 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen einer unbehandelten Adipositas. Laut Schätzung der WHO ist mit 250 Millionen fettleibiger Kinder ab 2030 zu rechnen. Die Fettleibigkeit ist ein globales Problem, geschuldet keinem individuellen, sondern einem kollektiven Versagen!

Verkannte Ursache(n):

Das Konzept der Energiebalance beschreibt ein Gleichgewicht zwischen Energiezufuhr und Energieabbau, zugeführte Nahrung bei zu niedrigem Energieverbrauch bedingt einen Kalorienüberschuss. Analysiert man die letzten Jahrzehnte, so fällt statistisch auf, dass sich in den letzten 50 Jahren ein Zuwachs der Fettsucht bemerkbar macht und an Dynamik und Intensität rasant zunimmt. Mit Beginn der Siebzigerjahre wurden bei der Einführung industriell gefertigter Lebensmittel diese mit Getreide und anderen zuckerlastigen Ersatzstoffen geflutet. Diese synthetisierten und veränderten Kohlenhydrate, beigemischt zum Beispiel als Füllmittel oder Stabilisatoren in vielen der heutigen Lebensmittel eines Supermarktes, führen zu Veränderungen der menschlichen Stoffwechsellage, beeinflussen negativ unsere Organsysteme (Leber, Darm, Niere), machen abhängig und begünstigen damit Adipositas. Der Einfluss der Lebensmittelindustrie auf das globale Problem der Fettsucht ist nicht mehr zu leugnen.

Vermeidung und Therapie

Präventiv muss es zu einem radikalen Umdenken und zur Aufklärung der Verbraucher kommen. Regulativ müssen zuckerhaltigeProdukte in der Lebensmittelindustrie und die Werbung dafür, besonders die Zielgruppe der Kinder betreffend, eingeschränkt werden, um einem drohenden gesellschaftlichen Untergang entgegenzuwirken. Diverse diätische Behandlungskonzepte reichen von kalorien-, fett-, kohlenhydratreduzierten bis hin zu proteinreichen Varianten. In randomisierten Studien konnte hier retrospektiv kein dauerhafter, langfristiger und nachhaltiger Erfolg erzielt werden. Medikamentöse Therapien sind in Österreich bereits erhältlich, bedürfen jedoch einer klaren Indikationsstellung unter ärztlicher Kontrolle und führen in der Regel bis zu einer 10-prozentigen Gewichtsreduktion im 1. Jahr, nicht selten mit unangenehmen Nebenwirkungen.

Chirurgische Eingriffe

Die chirurgischen Therapieformen unterscheiden restriktive (Schlauchmagen) von restriktiv-malabsorptiven (1- oder 2-Anastomosen-Bypass) Verfahren. Nur die metabolisch-bariatrische Chirurgie vermag hier dem adipösen Patienten im Sinne einer Gewichtsreduktion, aber vor allem im Sinne einer erfolgreichen Behandlung bzw. Heilung der assoziierten Begleiterkrankungen (Diabetes mellitus, art. Hypertonie, Lebererkrankungen) zu helfen! 

Perspektive

Im Tauernklinikum ist es uns gelungen ein visionäres multi-disziplinäres Team, bestehend aus DiätologInnen, Physiotherapeuten, Internisten, Anästhesisten, Chirurgen und Psychologen zu formen. Neben konservativen Therapiemöglichkeiten finden sich hochstandardisierte chirurgische Modelle nach neuesten Erkenntnissen der minimalinvasiven „Fast-Track-Chirurgie“, um höchste Patientensicherheit und -zufriedenheit zu gewährleisten. Selbstverständlich beinhaltet unser Angebot auch die postoperative Nachsorge, engmaschige Kontrollen und jegliche Möglichkeiten der plastisch-chirurgischen Versorgung postbariatrischer Problemzonen,um dem Patienten die Lebensqualität in Gesundheit mit modernster Medizin wieder zurückzugeben.