Pflege in Österreich: 31.000 neue Mitarbeiter bis 2030 notwendig

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In Österreich sind rund 463.820 Menschen im Gesundheits- und Sozialwesen beschäftigt, das entspricht circa 10 Prozent aller Beschäftigten. Die Studie „Gesundheitsberufe in der Europäischen Union“, herausgegeben von der AK Wien, nennt Zahlen und Fakten zur Pflegesituation in Österreich.

 

Seit mehreren Jahren gibt es in vielen Ländern der EU eine akute beziehungsweise schon lang prognostizierte Personalknappheit in den Gesundheits- und
Langzeitpflegeberufen. Gründe dafür sind vielfältig. Dazu zählen etwa die demographische Entwicklung (Alterung der Gesellschaft und dadurch größerer (Kranken-)Pflegebedarf in höherem Alter bei gleichzeitigem Pensionsantritt der ‚Baby Boomer‘ Generation), Sparmaßnahmen der nationalen Haushalte, schwierige Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen, lange Arbeitszeiten und ein verhältnismäßig geringes Gehalt
(v.a. in osteuropäischen Staaten), das häufig auch zu
Abwanderung von Personal führt und somit zu Einbußen bei
der Versorgungsqualität.

 

Kampf um bessere Arbeitsbedingungen

Durch die Corona-Pandemie tritt die Personalknappheit sowie alle damit verbundenen Probleme im Pflegebereich klar zutage. Unter dem Motto #MehrWärFAIR“ – versammelten sich kurz vor Weihnachten Pflegekräfte und weitere Unterstützer auch in Salzburg um für bessere Arbeits- und Rahmenbedingungen in Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen zu demonstrieren. Denn die CoV-Pandemie bringe das Betreuungspersonal über ihre Belastungsgrenze hinaus. Peter Eder, Präsident der Salzburger Arbeiterkammer forderte bei dem Fackelmarsch bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen: „Es ist immer noch beschämend, dass die Ausbildung in der Pflege ein Taschengeld bekommt. Auf der anderen Seite brauchen wir Rahmenbedingungen und eine bessere Bezahlung, damit man den Beruf attraktiver macht, die Menschen wieder in den Beruf zurückholt, die ausgestiegen sind, und dass man mehr junge Menschen, aber auch Berufsumsteiger motiviert, in diesen Beruf einzusteigen.“

 

Petition mit Forderungen

Im Rahmen einer Petition präsentierten fraktions- und gewerkschaftsübergreifende Arbeitsgruppen Lösungsvorschläge, um die Arbeitsbedingungen im Gesundheits- und Sozialbereich zu verbessern. Insgesamt konnten rund 14.000 Unterstützungsunterschriften, so die Gewerkschaft gesammelt und an die Salzburger Landespolitik übergeben werden.

 

Schlüsselfaktor Verdienst und Stress

Neben dem Verdienst und verschiedenen organisationalen und arbeitskulturellen Faktoren wie etwa Arbeitsumfeld, Autonomie, Unterstützung in Verwaltungsaufgaben und Zusammenarbeit, scheint ein angemessener Personalschlüssel der Schlüsselfaktor zur Attraktivierung von Beschäftigung im Gesundheits- und Sozialwesen zu sein. Mit einem angemessenen Verhältnis zwischen Pflegenden und Patienten bzw. Klienten nimmt der Stress und damit die Burnout-Gefahr ab, die Arbeitszufriedenheit steigt und die Absicht, den Beruf zu verlassen, sinkt, heißt es in der Studie. Außerdem steige damit auch die Patientensicherheit (reduzierte Mortalität) und -zufriedenheit. Dies gelte sowohl für den Krankenpflege- als auch für den Langzeitpflegebereich. Damit könne man auch - mittel- bis langfristig - dem akuten und sich in Zukunft noch verstärkenden Personalmangel entgegengetreten werden, sagen die Autoren.

Situation in Österreich

In Österreich werden im europäischen Vergleich überdurchschnittlich viele Leistungen stationär in Spitälern erbracht. Damit zählt Österreich zu den EU-Staaten mit den meisten Spitalsbetten und den meisten stationären Krankenhausaufenthalten im Vergleich zur Bevölkerung. In den 271 Spitälern mit insgesamt 301 Standorten und rund 64.800 Betten gibt es mehr als 2,83 Millionen stationäre Aufenthalte im Jahr. In Summe kommen somit 322 Spitalsaufenthalte auf 1.000 Einwohner im Jahr. Aufenthalte mit Übernachtung(en) dauern im Durchschnitt 6,5 Tage (2017). Auch die Bettendichte ist hoch, 2017 kamen etwa 7,4 Betten auf 1.000 Einwohner. Etwa 70 Prozent aller Betten (45.600) liegen in den 121 öffentlich finanzierten gemeinnützigen Akutspitälern (Landesfondsspitäler und Unfallkrankenhäuser), die fast 90 Prozent aller Krankenhausaufenthalte verzeichnen (2,53 Millionen).Für die Langzeitversorgung gibt es rund 5.100 Betten in Spitälern, sowie rund 82.100 Plätze in öffentlich finanzierten Pflegeeinrichtungen der Länder und Gemeinden im Sozialbereich mit rund 34.500 Betreuungs- und Pflegepersonen (VZÄ).Über 40 Prozent aller in einem Gesundheitsberuf tätigen Personen waren 2016 in einem Krankenhaus beschäftigt. Die österreichischen Spitäler beschäftigten 2017 rund 24.600 Ärzte und 93.300 Personen in nichtärztlichen Gesundheitsberufen. Die größte Berufsgruppe machen dabei diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen (DGKP) mit rund 60.200 Personen aus; sie machen damit fast zwei Drittel (64,5%) der nichtärztlichen, in Gesundheitsberufen Beschäftigten in Krankenhäusern aus. Etwa ein Fünftel waren Ärzte. Im mobilen Pflege Bereich waren Ende 2017 rund 12.500 Betreuungs- und Pflegepersonen tätig.In Summe arbeiten in Österreich etwa 127.000 Menschen als Pflege- bzw. Betreuungspersonal im akutstationären Bereich oder im Bereich der Langzeitpflege und -betreuung.

 

Mehr 31.000 neue Beschäftigte im
Pflegebereich notwendig

Aktuelle Studien zur Berechnung des Pflegepersonalbedarfs gehen von einem zusätzlichen Bedarf von 31.400 Personen im Jahr 2030 aus, basierend auf Erhebungen im Jahr 2017 und unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung und der altersmäßigen Verteilung der Inanspruchnahme von Pflege und Betreuung in Krankenhäusern und im Bereich der Langzeitpflege. Der berechnete Bedarf erhöht sich auf 34.200 Personen unter der Annahme eines Rückgangs der informellen Pflege und Ausbaus der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause. Aufgrund von Pensionierungen ist laut Studie damit zu rechnen, dass weitere 41.500 Personen in den Beruf einsteigen müssen, um den Bedarf decken zu können. In Summe wird somit mit einem Bedarf an 75.700 Beschäftigten bis 2030 gerechnet. Für Pflegefachkräfte (DGKP, PFA und PA) entspricht dies einem jährlichen Bedarf von 3.900 bis 6.700 zusätzlichen Personen; dem gegenüber stehen rund 4.800 Absolventen von Krankenpflegeausbildungen und Pflegeassistenz-Lehrgängen sowie 955 Absolventen von Schulen für Sozialberufe.Laut Studie ist aufgrund sinkender Schülerzahlen mit einem Rückgang der Absolventen zu rechnen - spätestens ab 2024 könne nicht mehr davon ausgegangen werden, dass der Personalbedarf mit Absolventen gedeckt werden kann. Zeit also zu handeln.