Samstag, 19. Januar 2019

Tausch fürs Leben

Dass es zu Situationen kommen kann, in denen es um Leben oder Tod geht, hat sich erst kürzlich am Beispiel Niki Laudas gezeigt. Der prominente Österreicher hätte ohne die Anfang August 2018 im AKH in Wien durchgeführte Lungentransplantation nur noch wenige Tage zu leben gehabt. Um wie lange sich mit der neuen Lunge die Lebenserwartung des dreimaligen Formel-1 Weltmeisters verbessert hat, darüber wurden keine Prognosen gewagt. Bekommen hat Lauda die Spenderlunge über Eurotransplant. Diese unabhängige europäische Organdrehscheibe, der 81 Transplantationszentren in acht europäischen Ländern angehören, ist zuständig für die Zuteilung aller Spenderorgane nach streng medizinischen Kriterien. Bei ihr laufen alle Informationen zusammen, etwa was die Dringlichkeit betrifft oder die Übereinstimmung in den Gewebemerkmalen (HLA-Match) von Spenderorgan und Empfänger. Laut Eurotransplant liegt Österreich im internationalen Vergleich im Spitzenfeld, bei Lungentransplantationen ist Österreich – relativ zur Einwohnerzahl gesehen – sogar an erster Stelle. So werden am AKH in Wien jährlich mehr als 100 Lungen transplantiert. Auch sonst liegt Österreich im Spitzenfeld: 2017 konnte man bereits auf 789 durchgeführte Transplantationen solider Organe verweisen, ein weiterer Anstieg zu den Jahren zuvor. Aber auch in Österreich ist die Situation des Organspendesystems verbesserungswürdig. Wie aus dem aktuellen Transplantationsbericht des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (GÖG) hervorgeht, sind zur Zeit 780 Personen auf der Warteliste für ein Spenderorgan registriert. Auf eine Niere, dem am öftesten transplantierten Organ, wartet man mittlerweile 38 Monate, also länger als drei Jahre.

In Österreich ist jeder ein potentieller Organspender

In Deutschland wartet man derzeit fast acht Jahre auf eine Spenderniere. Die Warteliste umfasst schon mehr als 10.000 Personen. Das liegt daran, dass in Deutschland einer Organentnahme ausdrücklich zugestimmt werden muss. In Österreich und den meisten europäischen Ländern gilt dagegen jeder als potentieller Organspender. Eine Organentnahme ist laut Transplantationsgesetz „nur dann unzulässig, wenn dies ausdrücklich verweigert wird.“ (Widerspruchsregelung). Aber auch in Österreich verweigern immer mehr Menschen eine Organentnahme: 2017 ließen sich 2.459 Personen ins Widerspruchsregister eintragen, insgesamt sind es aktuell 34.203 Personen, die bekunden, nicht als Organspender zur Verfügung zu stehen. „Den Leuten ist nicht bewusst, wie viele Menschen auf ein Spenderorgan angewiesen sind, und dass sie selbst auch in eine solche Situation kommen könnten“, kritisierte jüngst der deutsche Mediziner Karl Lauterbach. Für Oberarzt Dr. Michael Franzen, der in Salzburg an der 1. Medizischen Abteilung der SALK für die Nachsorge von Transplantierten zuständig ist, sei die gesetzliche Regelung nicht das alleinige Problem. In Belgien beispielsweise, wo eine Mischform von Zustimmungs- und Verweigerungsregelung besteht, ist die Bereitschaft Organe zu spenden sehr hoch. „Dort hat man generell eine positive Einstellung dazu.“ Ein massives Problem sei aber, dass es einfach an Informationen fehlt, ist der Salzburger Transplantationsexperte überzeugt. Da gehöre der Hebel angesetzt, so Franzen.