DIABETES – die schleichende Zuckerkrankheit

Die Zahl der an Diabetes Typ 2 Erkrankten nimmt stetig zu. Rund ein Drittel der Betroffenen – vor allem auch junge Menschen – wissen nicht, dass sie an Diabetes leiden. 

Dr. RAIMUND WEITGASSER

In Österreich sind aktuell etwa 600.000 Menschen an der chronischen Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus erkrankt, die durch einen zu hohen Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Zucker (Glukose) ist zwar für den Körper lebensnotwendig, er muss aber auch dort ankommen, wo er gebraucht wird. Vor allem darf der Zucker in nicht zu großen Mengen im Blut zurückbleiben. Ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt im Laufe der Zeit die Blutgefäße und Nerven. Da Diabetes anfangs keine Symptome verursacht, wird die Erkrankung oft lange „übersehen“. Diabetes kann im schlimmsten Fall zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Amputationen und Nierenversagen führen. Die beiden wichtigsten Diabetesformen sind der Typ 1 und der Typ 2 Diabetes. Daneben gibt es seltenere Formen welche ursächlich monogenetische Störungen, andere Stoffwechselerkrankungen (z.B. Hämochromatose), hormonelle Störungen (z.B. Morbus Cushing) oder Erkrankungen von Organen welche mit der Insulinwirkung direkt in Verbindung stehen (z.B. Pankreatitis, Leberzirrhose) haben.  Eine spezifische Form welche durch die Insulinresistenz während der Schwangerschaft auftritt und als Gestationsdiabetes bezeichnet wird soll weiters noch erwähnt werden.  

Typ 1 Diabetes

Beim Typ 1 Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei welcher man zwei voneinander gänzlich verschiedene Formen unterschiedet: die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes, bei welcher durch eine Fehlreaktion des Immunsystems ein Mangel am lebensnotwendigen Hormon Insulin entsteht. Damit ist eine lebenslange Insulintherapie notwendig, welche am besten in Form einer Basis-Bolus-Therapie oder Insulinpumpentherapie erfolgen sollte. Diese im Vergleich zum Typ 2 Diabetes seltenere Diabetesform tritt meist bereits im Kindes- und Jugendalter auf. In Österreich sind etwa 30.000 Menschen betroffen. Eine Prophylaxe ist ebenso wie eine Heilung trotz intensiver Forschung dazu derzeit nicht möglich. Die Behandlung konnte in den letzten Jahren aber durch neue Insuline und technische Hilfsmittel zur Applikation des Hormons sowie Vereinfachung der Blutzuckermessung deutlich verbessert werden. Diabetische Folgen damit zu minimieren und die individuelle Lebensqualität zu steigern sind Ziele welche immer häufiger erreicht werden.

Typ 2 Diabetes

Die meisten Patienten leiden an Typ-2-Diabetes, bei dem eine Insulinresistenz das Kernproblem ist. Hierbei reagieren die Körperzellen immer weniger auf das Insulin, bis die Bauchspeicheldrüse die Resistenz nicht mehr kompensieren kann. Durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten und mit Hilfe spezieller Medikamente ist diese Form gut therapierbar.  Bei beiden Diabetestypen ist die regelmäßige Messung des Blutzuckerspiegels wichtig für die Anpassung der Therapie an die täglichen Ernährungsgewohnheiten sowie bei psychischen  oder körperlichen Belastungen.  Da erst bei Blutzuckerwerten über 250mg/dl (Normalwerte liegen bei 70-140mg/dl) Symptome wie vermehrt Durst, häufiges Harnlassen und zum Teil beträchtliche Gewichtsabnahmen, Sehstörungen, gehäufte Infekte, schlechtere Wundheilung, allgemeine Müdigkeit und Leistungsschwäche auftreten, wissen viele Personen lange nicht dass bei ihnen ein Diabetes mellitus besteht. Diese schleichende Entstehung kann durch die einfache Bestimmung des Blutzuckers mittels Messung in einem Blutstropfen entdeckt werden. Wer sollte jedenfalls eine Abklärung zum Ausschluss eines Diabetes durchführen lassen? Personen mit Diabetes in der Familie, Personen mit Herz-Kreislauferkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere Gefäßerkrankung), Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten, Depression, und Frauen in der Schwangerschaft. Am einfachsten geschieht dies bei der Vorsorgeuntersuchung welche ja jedem Erwachsenen in Österreich ermöglicht ist. 

DIABETESSCHULUNG

Bei einer chronischen Erkrankung wie dem Diabetes ist die Befähigung jedes Betroffenen damit umgehen zu lernen wichtigste Voraussetzung für alle therapeutischen Maßnahmen. Eine entsprechende Diabetesschulung wird in Kurs-Form in den Gemeinden über die Gebietskrankenkasse, weiters in den meisten Krankenhäusern (organisiert über AVOS) angeboten und sollte von jeder Person nach Feststellung eines Diabetes in Anspruch genommen werden. Information zum Diabetes, von Ursachen und Folgen bis zu Möglichkeiten der Behandlung, werden dabei vermittelt. Ziel ist es durch eine selbständige und eigenverantwortliche Beschäftigung mit dem Diabetes auf lange Sicht Folgeerkrankungen zu verhindern und psychisches und körperliches Wohlbefinden zu erreichen und zu erhalten

Antihyperglykämische
Therapie

Die Hyperglykämie (zu hoher Blutzucker) ist wesentlich an der Entstehung der Folgekomplikationen bei an Diabetes erkrankten Patienten beteiligt. Während Lebensstilmaßnahmen die Eckpfeiler jeder Diabetestherapie bleiben, benötigen im Verlauf die meisten Patienten mit Typ 2 Diabetes eine medikamentöse Therapie. Bei der Definition individueller Behandlungsziele stellen die Therapiesicherheit, die Effektivität sowie substanzspezifische, kardiovaskuläre Effekte der Therapie die wichtigsten Faktoren dar. Zu den allgemeinen Zielen der Therapie zählen das Vermeiden von Akut- und Folgekomplikationen sowie die Symptomfreiheit und der Erhalt bzw. die Wiederherstellung der Lebensqualität.  

DIABETES-TECHNOLOGIE 

Die Selbstmessung des Blutzuckers gehört wie die des Gewichts und Blutdrucks zur regelmäßigen Evaluierung der Diabeteseinstellung. Blutzuckermessgeräte zeigen als Punktmessung immer einen Messwert zu einem spezifischen Zeitpunkt an, vergleichbar der Blutdruckmessung oder Pulsmessung. Moderne Blutzuckermessgeräte können aber mehr, sie speichern über 500 Werte, können Mittelwerte über Tage und Wochen anzeigen oder auch an die nächste Blutzuckermessung erinnern. Um allerdings einen noch besseren Überblick zum Zuckerverlauf zu gewinnen wurden Glukosesensoren entwickelt welche eine kontinuierliche Messung des Zuckers im Unterhautgewebe erlauben. Dies ist bei Patienten mit komplexer Insulintherapie (Basis-Bolus-Therapie, Pumpentherapie) welche ihre Insulindosen vor den Mahlzeiten individuell anpassen müssen wichtig und sinnvoll. Dazu wird ein Sensorfaden mittels eines einfachen Applikationsgerätes in der Unterhaut platziert, durch einen Transmitter werden die Zuckerwerte an ein Lesegerät oder mit einer App auf ein Smartphone übertragen. Der Sensor wird alle ein bis zwei Wochen gewechselt. Eines dieser  Systeme kann auch mittels einer kleinen Operation unter die Haut implantiert werden und muss erst wieder nach einem halben Jahr gewechselt werden. Glukosesensoren übermitteln die Zuckerwerte alle fünf Minuten, sodass man Kurvenverläufe über Stunden, Tage oder Monate graphisch darstellen und dazu Therapieanpassungen durchführen kann. Für Patienten mit häufigen Unterzuckerungen oder einer Unterzucker-Erkennungsstörung gibt es die Möglichkeit, Glukosesensoren mit einer Insulinpumpe zu verbinden, sodass bei Gefahr der Unterzuckerung automatisch die Insulinzufuhr unterbrochen und erst beim Anstieg des Blutzuckers in den Normalbereich die Insulinabgabe wieder gestartet wird. Der Weg zum künstlichen Pankreas ist damit nicht mehr weit.      

 

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