Fortschritte in der Rheuma-Chirurgie

Drucken

Dr. Roman Strassl FA für Orthopädie und orthopädische Rheumatologie

Mit den heutzutage verwendeten modernen Rheumamedikamenten – sogenannten „Biologica“ – kann das Fortschreiten dieser chronischen Erkrankung gebremst oder manchmal sogar zum Stillstand gebracht werden.

Biologica sind gentechnisch hergestellte Eiweißstoffe, die aus lebenden Zellkulturen gewonnen werden. Sie greifen in Mechanismen der Krankheitsentstehung ein, indem sie gezielt bestimmte entzündungsfördernde Substanzen des Immunsystems abfangen und ausschalten oder ihre Bindungsstellen besetzen und damit blockieren. „Dennoch gibt es Fälle, in welchen eine Operation notwendig ist, um rheumabedingte Schäden wie Risse von Bändern oder Sehnen, Gelenkfehlstellungen oder Gelenkentzündungen zu behandeln“, erklärt Dr. Roman Straßl, Facharzt für Orthopädie. 

Gerissene Sehnen und Bänder

„Es stehen uns dazu modernste technische Systeme zur Verfügung, mit denen es gelingt, gerissene Bänder oder Sehen wieder zu fixieren und damit die Stabilität und Funktionsfähigkeit eines Gelenks wiederherzustellen“, weiß der Experte. Dadurch wird auch die Schmerzursache behandelt. Kleinste Spezialinstrumente ermöglichen arthroskopische Operationen. Spezielle Fadenanker dienen etwa zur Fixation einer Sehne am Knochen, oder spezielle Titanschrauben, die auch in sehr weichen Knochen halten. 

Sensible operative Versorgung

Bei rheumatischen Erkrankungen sind einige Besonderheiten zu beachten. Die Patienten sind oft an mehreren Gelenken erkrankt, was zum Beispiel sofort belastbare Implantate fordert, da die postoperative Pflege und Mobilisation erschwert ist. Die Körperabwehr ist durch die Erkrankung und die hochwirksamen immunsuppressiven Medikamente geschwächt, das Infektionsrisiko daher höher. Knochen und Gelenke sind durch die Krankheit selbst und Medikamente anfälliger und müssen mit besonderer Sorgfalt operativ versorgt werden. Zuguterletzt steht auch die Entwicklung der Gelenks-Totalendoprothesen nicht still, die man mit immer schonenderen Methoden an den großen Gelenken wie Knie, Hüfte, Schulter und Ellbogen aber auch an kleinen Fingergelenken oder Daumensattelgelenken zum Einsatz bringt. Dadurch werden auch beim Rheumapatienten die OP- Risiken minimiert und die Chance auf eine frühe Mobilisation erhöht, was die Lebensqualität erheblich steigert.

Abklärung

Der Rheumaorthopäde kann aber nicht nur operieren! In jeder rheumaorthopädischen Sprechstunde werden mit dem Patienten neben notwendigen Operationen stets auch alternative Verfahren wie die Optimierung der medikamentösen Therapie - in Zusammenarbeit mit dem Internistischen Rheumatologen,  Krankengymnastik, Ergotherapie,  Einlagen  und Schuhversorgung oder auch Injektionsbehandlungen und Gelenk­innenhautverödungen besprochen. 

Die dorsale Rekonstruktion des skapholunären Bands mit dem 3.5 mm DX SwiveLock SL-Anker eignet sich zur Behandlung einer dynamischen und statischen skapholunären Instabilität, wenn kein adäquates Band mehr verfügbar ist, der Knorpel noch nicht arthrotisch verändert ist und Skaphoid sowie Lunatum noch reponiert werden können. Diese Konstruktion bildet eine feste Verbindung zwischen den Knochen, sodass das Transplantat einheilen kann.

RHEUMA BEI KINDERN

Rheuma wird im Verständnis der meisten Menschen mit fortgeschrittenem Alter in Verbindung gebracht. Das auch Kinder unter Rheuma leiden, ist oft nur betroffenen Kindern und Eltern bekannt.  Unter kindlichem Rheuma versteht man eine chronische Entzündung von Gelenken bzw. der Gelenkinnenhaut (Synovia), die vor dem 16. Lebensjahr auftritt und mehr als sechs Wochen besteht, ohne eine andere Ursache zu entdecken. Diese Krankheit wird heute als Juvenile Idiopathische Arthritis (JIA) bezeichnet. 

Ursachen

Vermutet wird bei Kindern eine ererbte Veranlagung, auf verschiedene Umweltfaktoren wie Infektionen (Bakterien oder Viren) oder Verletzungen mit einer Fehlreaktion des Immunsystems. Dabei richtet sich die Abwehr gegen körpereigenes Gewebe, insbesondere die Gelenkinnenhaut, Sehnenscheiden oder auch innere Organe und verursacht Entzündungen.

Auffälligkeiten

Es sind Kleinigkeiten, die darauf hinweisen, dass ein Kind von Rheuma betroffen ist. Beim Auftreten von einem oder mehreren der folgenden Anzeichen sollten Eltern mit ihrem Kind einen Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde oder einen Arzt für Allgemeinmedizin aufsuchen.

- Schwellung, Schmerzen, Überwärmung eines oder mehrerer Gelenke
- Hinken, Laufverweigerung, ungewöhnliches Greifen
- Kleinkind will plötzlich wieder getragen werden, obwohl es schon laufen kann
- unklare, länger andauernde Hautausschläge mit oder ohne Fieber
- Fieberschübe unklarer Ursache
- bei Schulkindern Fersen- oder unklare Rückenschmerzen
- Minuten bis Stunden andauernde „Morgensteifigkeit“ von Gelenken

ABKLÄRUNG & THERAPIE

„Im Volksmund spricht man gerne bei allen Beschwerden des Bewegungsapparates von Rheuma“ erklärt Dr. Roman Straßl in Salzburg. Bestehen Schwellungen, Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen an Hand- oder Fingergelenken über einen längeren Zeitraum ist es unbedingt ratsam, einen Facharzt für Rheumatologie aufzusuchen, um allfällige Folgeschäden zu vermeiden. Eine genaue Anamnese der Beschwerden, die eingehende Untersuchung des gesamten Bewegungsapparates sowie weiterführende Abklärungsmöglichkeiten mit Röntgen, Ultraschall sowie eventuell MRT helfen bei der genauen Abklärung. Durch die enge Zusammenarbeit mit den internistischen Rheumatologen können dann noch spezielle Laborwerte, wie etwa Entzündungswerte oder Rheumafaktoren erhoben werden.  Neben konservativen Behandlungsmethoden wie Physiotherapie, Wärmebehandlungen, Stromtherapien kommen in der medikamentösen Therapie vor allem entzündungshemmend-abschwellende Medikamente zum Einsatz. In der modernen Rheumabehandlung versucht man aktuell verschiedene Methoden miteinander zu kombinieren. Für die unterschiedlichen Krankheitsbilder und Krankheitssituationen kann so für jeden einzelnen Patienten eine individuelle Therapie maßgeschneidert werden.

Rheuma-Tipps für den Winter
- gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Aquagymnastik, Tanzen oder Walking
- täglicher Spaziergang
- ausreichend trinken: im Winter oft vernachlässigt, weil wir weniger schwitzen und deshalb nicht so oft Durst verspüren
- Verzicht auf Rind- und Schweinefleisch
- Unterkühlungen vermeiden, denn durch die Kälte wird das Immunsystem geschwächt 
- für den Vitamin-D-Aufbau regelmäßig Sonne tanken