Frauenhormon Östrogen

Interview mit Dr. Angelika Graf

Wann ist es sinnvoll, bei Wechselbeschwerden Hormone zu nehmen?

Ungefähr ein Drittel aller Frauen hat in den Wechseljahren keine Beschwerden und benötigt somit auch keine entsprechende Therapie. Bei einem weiteren Drittel der Frauen kommt es in dieser Lebensphase zu  leichten Beschwerden, die mit pflanzlichen Mitteln, vor allem Phytohormonen, gut in den Griff zu bekommen sind. Das restliche Drittel der Frauen leidet an schweren, die Lebensqualität stark beeinflussenden, Beschwerden. Diese Frauen kann man, falls gewünscht, mit Hormonen behandeln. Dabei sollten ausschließlich natürliche, sogenannte bioidente Hormone verwendet werden. Und es muss immer – wie auch bei anderen Medikamenten –  die niedrigste mögliche Dosis zum Einsatz kommen. 

Wann soll damit begonnen werden, wann die sogenannte Hormonersatztherapie beendet werden?

Wenn starke Beschwerden auftreten, die mit Phytohormonen nicht mehr beherrscht werden können, sollte mit einer sehr niedrigen Dosis einer individuell abgestimmten Hormonersatztherapie begonnen werden. Falls sich die Beschwerden zu wenig bessern, kann die Dosis immer noch angepasst werden. Im weiteren Verlauf sollte zumindest einmal jährlich ein Ausschleichversuch erfolgen, um zu überprüfen, ob die Hormonersatztherapie überhaupt noch notwendig ist.

Wie schätzt man heute die Risiken ein?

Wenn man vor Beginn der Hormonersatztherapie Frauen mit erhöhtem Risiko herausfiltert, ist das Risiko einer Hormonersatztherapie im Vergleich zu Risiken wie Rauchen, Bewegungsmangel und starkem Übergewicht sehr gering. Allerdings sehe ich in meiner Praxis bei Frauen mit einer Brustkrebserkrankung sehr häufig einen Zusammenhang mit psychischem Stress. Das bestätigen auch große Studien, in denen Frauen im Nachhinein befragt wurden, was sie als die Ursache für ihre Brustkrebserkrankung betrachteten.

Was ist Hormonkosmetik, und was erreicht man damit? 

So gut wie alle Gewebe und Organe des Körpers werden von Hormonen gesteuert. Haut und Haare, aber auch Schleimhäute und das Bindegewebe, werden vor allem durch die Geschlechtshormone sehr stark beeinflusst. Probleme wie Cellulite, Haarausfall bzw. verstärkte Behaarung im Gesicht und am Körper, Akne, verstärkte Faltenbildung, trockene Haut, trockene Augen und Nasenschleimhäute und viele andere äußere Probleme können mit Hormonen gut behandelt werden. Dabei wird das Hormon als Creme, Gel oder als Haarwassers direkt auf die Haut aufgebracht. Bei dieser transdermalen Hormontherapie macht man sich die Tatsache zunutze, dass Sexualhormone als sehr kleine chemische Verbindungen gut in die Haut eindringen und durch die Haut durchdringen können.

Ist es gerechtfertigt, Hormone für die Schönheit einzusetzen?

In der Hormonkosmetik kommen entweder andere oder wesentlich geringer dosierte Hormone als in der Hormonersatztherapie zum Einsatz. Die verwendeten Hormone entfalten ihre Wirkung auch nur dort, wo sie aufgetragen werden, also in der Haut bzw. in den Schleimhäuten, und werden nicht ins Blut aufgenommen. Damit haben sie im restlichen Körper, also im Körperinneren und Organen wie der Brust, keine Wirkung. Östrogene, die eigentlichen weiblichen Haupt­hormone, haben vor allem auf die Haut und die Schleimhäute einen besonders positiven Effekt. Sie regen die Kollagen- und Bindegewebssynthese an. Östrogene machen somit die Haut praller, elastischer und frischer und die Schleimhäute besser durchblutet, feuchter und dehnbarer. Östrogene verlängern die Lebensdauer der Hautzellen und bewirken eine schnellere Regeneration. 

"Viele hormonelle Störungen beeinflussen das Aussehen und das Erscheinungsbild des Menschen. Das Aussehen seinerseits ist wieder ein wesentlicher Faktor für das Wohlbefinden, somit also eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Gesundheit. “ 
Dr. Angelika Graf
Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

 

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