Behandlung und Therapie - Komplexe Knieverletzungen

von Dr. Micha Kucharczyk

unhappy triad – Kombinationsverletzungen des Knies nehmen durch moderne Skitechnik zu. 

In meiner Praxis und Tätigkeit als Sporttraumatologe bin ich täglich mit der Behandlung von Knieverletzungen konfrontiert. Dabei hat sich das Verletzungsmuster in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Insbesondere durch die verbesserten und aggressiveren Materialeigenschaften in der Skiindustrie haben komplexe Knieverletzungen deutlich zugenommen. Gerade wenn solche komplexen Kombinationsverletzungen auftreten, ist nach der raschen exakten Diagnostik die fachgerechte operative Versorgung unabdingbar, um für den Patienten die besten Voraussetzungen zu schaffen, schnell wieder ins Training einsteigen zu können und die sportliche Belastung zu steigern. Im Rahmen eines Schiunfalls kommt es häufig zu einem Rotationstrauma in Kombination mit einer extremen Rückenlage, wobei es zu einem reflektorischen Anspannen der Extensoren kommt, um einen Sturz zu vermeiden. Solch ein Trauma kann zu einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes führen, bei entsprechender Rotationskrafteinwirkung in Kombination mit einer Ruptur oder Teilruptur des medialen Seitenbandes und Verletzungen am Meniskus. Diese Kombinationsverletzung wird als komplexe Knieverletzung oder „unhappy triad“ bezeichnet.

DIAGNOSE UND THERAPIE

Die rasche und korrekte Diagnostik ist entscheidend für den optimalen Therapieerfolg. Zuerst erfolgt die klinische Untersuchung, wobei ein Kniegelenkserguss sowie die Instabilität des vorderen Kreuzbandes mit dem Lachman-Test und dem vorderen Schubladen-Test diagnostiziert wird. Hierbei lässt sich im Fall einer Kreuzbandruptur eine vermehrte ventrale Translation der Tibia gegen das Femur feststellen. Eine mediale Seitenbandruptur wird durch eine vermehrte mediale Aufklappbarkeit diagnostiziert. Als nächster diagnostischer Schritt wird eine MRT-Untersuchung des Kniegelenkes durchgeführt, um die Diagnose der Bandverletzung zu sichern und weitere Begleitverletzungen zu detektieren, insbesondere Meniskus- und Knorpelverletzungen. Eine Kreuzbandruptur in Kombination mit weiteren substantiellen Gelenksverletzungen stellt eine komplexe Kniegelenksverletzung und somit eine absolute dringliche OP-Indikation dar. Nur im Rahmen der primären operativen Versorgung können komplexe Meniskusrupturen mit meniskuserhaltenden Verfahren behandelt werden. Dies ist insbesonders für das Verzögern einer Arthroseentstehung entscheidend. Mittels arthroskopischer Operation wird das vordere Kreuzband mit einem autologen Sehnentransplantat ersetzt, ebenso wird ein gerissenes Seitenband gegebenenfalls durch stabilisierende Nähte oder Schrauben rekonstruiert und abhängig von der Rissform der Meniskus mit speziellen Refixationsverfahren stabilisiert oder teilweise entfernt. Die Nachbehandlung der komplexen Knieverletzung ist individuell abhängig vom Verletzungsmuster, von der erfolgten operativen Therapie und den physischen Voraussetzungen des Patienten. In allen Fällen ist allerdings eine Limitierung der Kniemobilität mittels Schiene für 4-6 Wochen sowie eine nachfolgende professionelle aktive Physiotherapie unbedingt notwendig, um die sportliche Belastungsfähigkeit wieder herzustellen. Die Rehabilitationszeit nach einer komplexen Knieverletzung beträgt bis zur vollständigen Belastbarkeit ca. 6 – 12 Monate. 

Folgen eines vorderen Kreuzbandrisses für das Kniegelenk:
- vermehrte ventrale Translation
- vermehrte Innenrotation des Unterschenkels
- erhöhte Inzidenz sekundärer Meniskus- und Knorpelschäden, somit frühzeitige Arthroseentwicklung.
Die Kombinationsverletzung Kreuzbandruptur mit einer medialen Seitenbandruptur bedingt zusätzlich zur ventralen Instabilität eine mediale Instabilität.