Frühe Reha bei Knie­prothesen fördert Lebensqualität

Der fortschreitende Knorpelabbau im Knie, auch Gonarthrose genannt, ist eine verschleißbedingte Erkrankung des Kniegelenks. In fortgeschrittenem Stadium gilt der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks als beste und nachhaltigste Behandlungsmethode. 

Ein britisches Forschungsteam berichtete, dass acht von zehn Knieprothesen mindestens 25 Jahre und damit viel länger als bisher angenommen halten. Doch bei allem technischen Fortschritt sind Lebensweise und Gesundheitszustand der Patienten wesentliche Faktoren für den Rehabilitationserfolg und den Langzeiterfolg, wie Dr. Renata Cop, Ärztliche Direktorin des Klinikums Bad Gastein, informiert. In Österreich werden jährlich rund 14.000 Knieprothesen implantiert, Tendenz steigend. Damit gehört diese Operation heutzutage zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Neben einer gewissen Veranlagung tragen eine hohe Belastung des Gelenks in Beruf, Sport oder Alltag zur Entstehung einer Kniearthrose bei. Altersbedingte Verschleißerscheinungen lassen sich bereits bei der Hälfte aller 45-Jährigen im Röntgenbild erkennen. „Künstliche Kniegelenke ermöglichen vielen Patienten wieder ein weitgehend schmerzfreies und aktives Leben. Die lange Haltbarkeit ist besonders im Hinblick auf jüngere, mobilere Personen wichtig. Patienten können frühzeitig und nicht erst bei einem sehr weit fortgeschrittenen Krankheitsverlauf operiert werden“, sagt Primar Dr. Harald Zeindler.

Reha – je früher, desto besser

Entscheidend für den Behandlungserfolg ist ein rascher Beginn mit rehabilitativen Maßnahmen. Je früher mit physiotherapeutischen Übungen begonnen wird, desto besser werden Muskeln aufgebaut und die Beweglichkeit wiederhergestellt. Im Klinikum Bad Gastein werden jährlich rund 300 Patienten mit einem künstlichen Kniegelenk behandelt. Ein interdisziplinäres medizinisches und therapeutisches Team erstellt je nach Schwere der Operation, der persönlichen Leistungsfähigkeit und den Lebensbedingungen einen individuellen Therapieplan für jeden Rehapatienten. Da viele Knieprobleme durch Übergewicht verursacht beziehungsweise verstärkt werden, werden physikalische und medizinische Therapien durch eine Ernährungsberatung ergänzt, damit sich das Gewicht langfristig nicht negativ auf die Haltbarkeit der Implantate auswirkt. Die volle Genesung dauert im Durchschnitt drei bis sechs Monate.

Rauchen beeinträchtigt Erfolg erheblich

Trotz der verbesserten Materialien beeinflusst der Lebensstil der Betroffenen die Genesung und die Haltbarkeit der Prothese wesentlich. Heute sind Patienten aktiver und viele haben zudem ein höheres Körpergewicht. Dadurch werden Implantate stärker belastet als früher. Was viele nicht wissen: Rauchen erhöht das Risiko für Komplikationen deutlich. Wundheilungsstörungen, Infekte und Lockerungen des Implantats treten bei Rauchern doppelt so häufig auf wie bei Personen, die nicht rauchen. Daher ist ein gezielter Rauchstopp drei Monate vor einer Implantation sowie sechs Wochen nach der Operation dringend empfohlen.

Viele Sportarten können nach einer Implantation wieder in moderatem Stil ausgeübt werden, sofern gute Vorkenntnisse bestehen. Fürs Skifahren sollten aber die körperliche Fitness wie vor der Operation und eine zur Gänze wiedererlangte Beweglichkeit gegeben sein.“ 
OA Dr. Renata Cop
Interimisitische Ärztliche Direktoinr des Klinikums Bad Gastein