Samstag, 19. Januar 2019

Transplantation: Aufwändige Nachsorge

Österreichweit gibt es vier Standorte, an denen Organtransplantationen durchgeführt werden, nämlich in: Wien am AKH, Innsbruck an der Uniklinik, Linz im Krankenhaus der Elisabethinen sowie Graz an der dortigen Universitätsklinik. In Innsbruck und Wien, wo ein eigenständiges Zent­rum für Lungentransplantationen besteht, werden alle Organe transplantiert. In Linz und Graz finden hauptsächlich Nierentransplantationen statt. Neben der Betreuung von Patienten nach Leber-, Herz- und Lungentransplantation ist man in Salzburg auf die Nachsorge bei Nierentransplantationen spezialisiert. Aktuell sind es 175 Patienten, die an der 1. Medizin in den Landeskliniken betreut werden.

Intensive Betreuung 

Mit einem Spenderorgan benötigt man für den Rest seines Lebens regelmäßige Betreuung durch einen Spezialisten. Aus medizinischer Sicht besteht die größte Herausforderung darin, eine Abstoßreaktion zu verhindern. Die dabei eingesetzten Immunsuppressiva müssen so gesteuert werden, dass das Immunsystem dennoch funktionstüchtig bleibt. „Wir müssen immer auch auf Infektionen achten. Manchmal kommt es beispielsweise zu Infektionen, die bei Gesunden erst gar nicht auftauchen“, erklärt Dr. Michael Franzen, Leiter der Transplantationsambulanz am Klinikum Salzburg. Die erforderliche medikamentöse Behandlung ist aufwändig: Bis zu 15 Medikamente erhalten Transplantierte jeden Tag. Da kommt es natürlich zu Nebenwirkungen, die für die Patienten eine enorme Belastung darstellen. Immer wieder vergessen dabei auch Patienten auf die Einnahme eines oder gar mehrerer Medikamente. Wie sehr die Betroffenen bei der Behandlung mitspielen, ist aber ein entscheidender Faktor, wie erfolgreich eine Behandlung verläuft.

Modernere Medikamente

Tendenziell sei die Lebenserwartung von Transplantierten gestiegen, „vor allem deshalb, weil immer bessere Medikamente zur Verfügung stehen. Nicht nur, um eine Abstoßung zu unterdrücken, sondern auch, um Infektionen und andere medizinische Probleme zu bekämpfen“, wie der Transplantationsexperte am LKH erläutert. „Trotz dieser Nebenwirkungen ist bei Patienten mit einer Spenderniere die Lebenserwartung deutlich höher“, erklärt Dr. Franzen. Patienten, die eine fremde Niere transplantiert bekommen, leben im Schnitt um bis zu zehn Jahre länger als Dialyse-Patienten.

Entscheidend ist auch die psychische Komponente beim Empfänger. Wie kommt dieser mit der Frage zurecht, mit dem Organ eines Toten zu leben. „Die meisten akzeptieren es sehr gut, es gibt welche, die ihrer fremden Niere einen Namen geben“, erzählt der Salzburger Transplantations-Experte aus dem Alltag. Manche wollen unbedingt wissen, von welchem Spender ihr neues Organ stammt, um sich zu bedanken. Doch die Daten der Spender sind bestgehütete Geheimnisse. „Es geht darum, die Privatsphäre der Spender und ihrer Angehörigen zu schützen“, erklärt Dr. Franzen.