Umwelthormone

Einige Umweltchemikalien stehen in Verdacht, in die frühe Entwicklung des Menschen einzugreifen, diese zu stören und somit im späteren Leben zu einer Krankheitsentstehung beizutragen.

Wissenschaftler unterscheiden zwischen körpereigenen Hormonen und Umwelthormonen. Letztere sind keine Hormone im eigentlichen Sinne, sondern Moleküle, die sich wie Hormone verhalten. Sie stecken in Pestiziden, Medikamenten, Kosmetika sowie in vielen Plastikprodukten und reichern sich in der Luft, im Boden und im Wasser an. Weil sie so winzig sind, gelangen sie über den Atem, aber auch durch die Haut in die Körper von Tieren und Menschen und greifen in das Hormonsystem ein. Werden negative Folgen sichtbar, kommt es immer wieder zu Verboten. Seit Jahren heftig in der Kritik sind einige Weichmacher im Plastik, besonders Bisphenol A und Phthalate. Ihre Verwendung hat die EU eingeschränkt. Seit 2007 dürfen bestimmte Phthalate nicht mehr bei der Produktion von Babyartikeln und Kinderspielzeug eingesetzt werden. Bei Lebensmittelverpackungen wurden die Grenzwerte gesenkt. Umwelthormone überlisten das Hormonsystem auf vielfältige Weise. Manche imitieren körpereigene Hormone, worauf die Hormondrüsen ihre Produktion drosseln. Andere Umwelthormone schalten die körpereigenen Hormone aus, indem sie die Andockstellen in den Zellen blockieren oder die Transportmoleküle besetzen, mit deren Hilfe beispielsweise Testosteron ins Gehirn gelangt.Bei den Phthalaten vermuten Forscher, dass sie die Bildung des männlichen Sexualhormons Testosteron stören. Mit der Folge, dass die Spermienqualität schlechter ist. Dänemark hat die Phthalate deshalb generell verboten. 

Wie kann man sich vor Umwelthormonen schützen?

Leider sind die Strategien zum Schutz vor Umwelthormonen sehr begrenzt, weil die Moleküle weder zu sehen noch zu riechen sind. Wichtig ist, dass man beim Kauf von Plastik-Produkten auf den Zusatz „PVC-frei“ achtet. Anders als PVC kommen etliche andere Kunststoffe ohne Weichmacher aus. Außerdem ist in der europäischen Chemikalienverordnung REACH ein umfassendes Auskunftsrecht zu schädlichen Inhaltsstoffen verankert. Dazu gehören auch Umwelthormone. Das setzt allerdings voraus, dass die Händler über die entsprechenden Informationen verfügen.  Ein Lichtblick ist, dass es mittlerweile Weichmacher gibt, die einige der besonders schädlichen Weichmacher ersetzen können.