Im Sommer gehört die Rosengartengruppe zu den touristischen Hotspots in den Dolomiten. Im Winter geht es hier an der Grenze zwischen Südtirol und dem Trentino deutlich ruhiger zu.
Der Name ist selbst weniger bergaffinen Menschen bekannt und er verlangt nach einer Erklärung: Ein schroffes Bergmassiv, das Rosengarten heißt? Folgt man den verschiedenen mittelalterlichen Sagen, dann geht der Name auf den Zwergenkönig Laurin zurück. Dieser habe seinen Rosengarten verflucht, nachdem er von Dietrich von Bern besiegt worden war. Heute zeugten nur noch die im Abendrot leuchtenden Felsen von der einstigen Pracht, heißt es. Die Sage gibt es in verschiedensten Varianten. Wie viele Sagen beruht wohl auch diese auf einem historisch wahren Kern. Oft wird sie auf die Unterwerfung der ladinischen Bevölkerung durch die Germanen zurückgeführt. Tatsächlich dürfte sich der Name, der südöstlich von Bozen gelegenen kleinen Gebirgsgruppe, eher aus einem ladinischen Flurnamen für Geröll- oder Schotterhalde entwickelt haben. Dieser wurde dann im Lauf der Jahrhunderte eingedeutscht, gleichwohl es den ladinischen Namen Ciadenac immer noch gibt.
Im Talkessel der Gardeccia
Auf den ersten Blick wirkt das wilde und schroffe Felsenreich von König Laurin im Winter für Skitouren wenig einladend. Die Rosengartenspitze (2981 m) oder die berühmten Vajolettürme (2821 m) sind Traumziele der alpinen Klettercommunity. Aber es ist wie fast überall in den Dolomiten: Auch im Rosengarten gibt es eine Reihe von (Frühjahrs-)Skitouren, wobei oft eher Pässe und Übergänge das Ziel sind und nur selten wirklich ein Gipfel erreicht wird.
Der reizvollste Zugang zum Rosengarten erfolgt über die Südseite vom Val di Fassa (Fassatal) in den Talkessel der Gardeccia. Diese kleine Hüttenansammlung - mit einer empfehlenswerten Jausenstation - liegt direkt unter der mächtigen Ostwand der Rosengartenspitze. Liftunterstützung und ein schöner Waldweg verkürzen den Zustieg und so kann man auch in die verschiedenen Kare und Hänge konditionell etwas weniger anspruchsvolle Touren unternehmen. Aber auch diese vermeintlich „leichten“ Routen verlangen eine solide Tourenplanung und lawinenkundliches Grundwissen. Im Zweifelsfall sollte man nicht zögern, sich einem Bergführer, einer Bergführerin anzuvertrauen.
200 Pistenkilometer im Fassatal
Wie oben gesagt: Der Zustieg in das kesselartige Tal der Gardeccia kann mit Seilbahnunterstützung von Vigo di Fassa erleichtert werden. Umgekehrt gedacht ergibt sich daraus freilich eine andere lohnende Kombination: Vormittags-Skitour, Abfahrt zu Mittag im Firn und am Nachmittag noch ein paar Schwünge auf der Piste. Was dem Autor bei einem Lokalaugenschein im Frühjahr 2024 besonders aufgefallen ist: Die Pisten sind nicht nur ausgesprochen gut gepflegt, im Vergleich zu Skigebieten in Österreich sind sie auch deutlich weniger frequentiert. Aber vielleicht liegt das ja einfach an der Ausdehnung der Skigebiete im Val di Fassa: Immerhin kommen die sechs Skigebiete gemeinsam auf 77 Lifte und Gondelbahnen bei rund 200 Kilometer Piste. Und wem das auch noch zu wenig ist, der kann ja mit dem Dolomiti Skipass in die umliegenden Täler fahren. Wer hingegen nach der Skitour lieber auf „Dolce Vita“ macht, ist hier auch gut bedient: Die Küche ist zwar immer noch alpin geprägt, der italienische Einfluss aber schon deutlich spürbar – auch und vor allem bei den Weinen oder beim Prosecco.
Italien hat strenge Gesetze
Noch zum Schluss: Italien hat strenge Gesetze, was Skitouren und Pistenskifahren betrifft, es wird kontrolliert, die Strafen sind hoch. Wer sich abseits der Pisten bewegt, ist verpflichtet, die Sicherheitsausrüstung (Verschüttetensuchgerät, Sonde, Schaufel) mitzuführen. Und: Man braucht eine Haftpflichtversicherung – auch auf der Piste. Oft ist diese Versicherung in der Mitgliedschaft alpiner Vereine oder Autofahrerclubs enthalten, man muss aber die Versicherungs-Bestätigung immer dabeihaben. Auf der Piste gilt ausnahmslos Helmpflicht und eine Alkoholgrenze von 0,5 Promille. Vor allem Letzteres würde man sich auch für Österreich wünschen.
Tourentipps & Literatur: Ivo Rabanser, „Skitourenführer – Dolomiten/Südtirol Band 2“, Panico Alpinverlag, Köngen 2021. Landkarte: Tabacco-Karte 029, „Schlern, Rosengarten, Latemar, Reggelberg“, 1:25.000 Einkehr/Übernachtung: Von Vigo di Fassa einfach mit der Seilbahn erreichbar ist das empfehlenswerte Rifugio Negritella www.rifugionegritella.it Tourenplanung/Lawinenbericht/Wetter: www.skitourenguru.ch
