Viele Frauen erleben bereits vor ihrem 40. Geburtstag Veränderungen, die sie zunächst nicht einordnen können. Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen oder zunehmende Vergesslichkeit sind den meisten Frauen als „Wechselbeschwerden“ bekannt. Aber auch hinter Zyklusstörungen, Herzrasen und Kopfschmerzen kann die Perimenopause stecken – der Übergang von der fruchtbaren Phase hin zur Menopause, der letzten Periodenblutung. Bis zu 80 Prozent aller Frauen sind betroffen.
Perimenopausale Beschwerden wurden früher gerne tabuisiert oder kleingeredet. In den letzten Jahren gewinnt ein offener Umgang mit der Thematik durch Sachbücher in Bestellerlisten und die sozialen Medien an Gewicht.
25 bis 80 Prozent der Frauen sind betroffen
Klinisch kann die hormonelle Umstellung still verlaufen; je nach Studie erleben jedoch 25 bis 80 Prozent der Frauen Beschwerden in der Peri- und Postmenopause. Wie stark diese ausfallen und wie belastend sie erlebt werden, ist von Frau zu Frau verschieden. In Europa tritt die Menopause durchschnittlich zwischen dem 50. und 51. Geburtstag ein. Bei manchen Erkrankungen, nach operativer Entfernung der Eierstöcke oder nach bestimmten Krebstherapien kann dies auch deutlich früher geschehen. Biologisch ist die Perimenopause vor allem dadurch bedingt, dass die Eierstöcke zunehmend unregelmäßig Östradiol und Progesteron produzieren, was anfangs zu starken hormonellen Schwankungen führt, bis schließlich die Eierstockfunktion ganz erlischt.
Hormontherapie in der Perimenopaus
Bei der Hormontherapie muss unterschieden werden, in welcher Phase der Perimenopause sich eine Frau befindet. Anfangs sind unregelmäßige Zyklen, sowie längere und stärkere Periodenblutungen oder auch stärkere Periodenschmerzen charakteristisch. Ebenso können die ausgeprägten hormonellen Schwankungen entweder zum erstmaligen Auftreten oder auch zu einer deutlichen Verschlechterung prämenstrueller Symptome wie Brustspannen, Unterbauchschmerzen und Wassereinlagerungen führen. Auch psychische Veränderungen wie Reizbarkeit, Nervosität und depressive Verstimmungen können bestehen. Im weiteren Verlauf treten Symptome eines zunehmenden Östrogenmangels in den Vordergrund: Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Gelenksschmerzen und vaginale Trockenheit.
In Österreich und Deutschland wird zur menopausalen Hormontherapie Östradiol in Tablettenform, in Gels, Pflaster oder Sprays angewandt. Es entspricht in seiner chemischen Struktur dem Östradiol das auch vom menschlichen Körper produziert wird. Wird Östradiol angewandt, muss dies in Kombination mit einem Gestagen erfolgen um ein unkontrolliertes Wachstum der Gebärmutterschleimhaut zu verhindern. Hier wird ebenso vorrangig das „humanidente“ Progesteron oder das diesem sehr ähnliche Dydrogesteron eingesetzt. Es gibt aber auch Situationen in denen synthetische Gestagene erforderlich sind, die sich von Progesteron oder Dydrogesteron stärker unterscheiden. Vor allem bei Frauen die mit starken Periodenblutungen oder Periodenschmerzen zu kämpfen haben, kann dies notwendig sein. Durch ihre chemische Struktur haben manche der synthetischen Gestagene einen noch stärkeren Effekt auf die Gebärmutterschleimhaut als Progesteron und Dydrogesteron und können Blutungsstörungen und Periodenschmerzen so besser entgegenwirken.
Die Evidenz für eine menopausale Hormontherapie ist je nach Symptom unterschiedlich stark. Für vasomotorische Symptome, also Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen gilt sie als wirksamste verfügbare Behandlung und kann Häufigkeit und Schwere im Schnitt um 75% reduzieren. Für Frauen mit oder nach einer Brustkrebserkrankung sind menopausale Hormontherapien nicht empfohlen.
Neue nicht-hormonelle Therapie
Neue nicht-hormonelle Alternativen zur Therapie vasomotorischer Symptome sind die sogenannten NK(1)3-Rezeptor-Antagonisten (Fezolinetant und Elinzanetant). Ihre Anwendung wurde in den Zulassungsstudien auch an Burstkrebspatientinnen untersucht.
Hormontherapie und Kognition
Neben der Therapie vasomotorischer Symptome, ist auch der positive Effekt von Östrogenen auf die Knochengesundheit etabliert. Durch die menopausale Hormontherapie wird der durch Östrogenmangel verursachte Knochenmasseverlust verringert und so die Rate an Knochenbrüchen gesenkt.
Darüber hinaus zeigen Studien, dass Östrogene depressive Symptome verbessern können, vor allem dann, wenn gleichzeitig Hitzewallungen bestehen. Die Wirkung der Östrogentherapie auf die Stimmung wird jedoch nicht vollständig durch die Reduktion von Hitzewallungen und Nachtschweiß erklärt.
Viele Frauen berichten auch, dass sie sich unter einer Hormontherapie geistig klarer fühlen und weniger unter Konzentrationsproblemen oder „Brain Fog“ leiden. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass sich diese Verbesserungen nicht immer in objektiven Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitstests nachweisen lassen. Fachleute vermuten, dass die positive Wirkung teilweise dadurch entsteht, dass Hormontherapien eben auch andere Symptome wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und depressive Beschwerden lindern. Für eine direkte Verbesserung der Gedächtnisleistung oder eine Vorbeugung von Demenz gibt es bislang keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege.
Vor- und Nachteile können altersabhängig sein
Ob eine Hormontherapie auch für beschwerdefreie Frauen Vorteile bringt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei Frauen, die eine vorzeitige (mit < 40 Jahren) oder frühe Menopause (mit 40-45 Jahren) erleben, konnte gezeigt werden, dass sich eine Östrogentherapie vorteilhaft auf die allgemeine Gesundheit auswirkt. Es ist, daher wichtig, dass diese Frauen darüber aufgeklärt werden, dass eine Östrogentherapie bis zu einem durchschnittlichen Menopausenalter (> 50 Jahre) Herzinfarkte, Schlaganfälle, Diabetes, Osteoporose und Demenz vorbeugen kann.
Bei Frauen mit „normalem“ Menopausenalter kann eine Hormontherapie beitragen Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen wie das Körpergewicht oder den Zuckerstoffwechsel günstig zu beeinflussen. Bestehen in diesem Alter bereits mehrere Risikofaktoren oder haben sich Herzkreislauferkrankungen etabliert, fällt der präventive Vorteil weg und eine menopausale Hormontherapie muss mit Vorsicht und nur bei Beschwerden angewandt werden.
Klassische Risiken vermeiden
Generell gibt es eine Reihe an pflanzlichen Präparaten, die milde perimenopausale Beschwerden lindern können. Bei Fortbestehen oder Verschlechterung der Beschwerden sollten diese ärztlich abgeklärt werden. Zudem kann auch eine Schilddrüsenerkrankung oder ein Eisenmangel ähnliche Symptome verursachen.
Für alle Frauen gilt es Risiken wie Übergewicht, Rauchen, Diabetes, Bluthockruck oder familiär erhöhte Blutfette in der Perimenopause zu erkennen und zu behandeln. Ein positiver Nebeneffekt perimenopausalen Beschwerden ist dabei die Tatsache, dass Frauen sich bewusster mit ihrem Körper auseinandersetzen und sich an ihre betreuenden Ärztinnen und Ärzte wenden.
Obgleich es eine sehr gute Datenlage zur Effektivität der Hormontherapie bei vasomotorischen Beschwerden und zur Osteoporoseprävention gibt, ist die aktuelle Datenlage für viele andere Symptome noch unzureichend. Hierzu sind vor allem sogenannte longitudinale Forschungsprojekte, die die untersuchten Frauen genau charakterisieren und individuell über einen längeren Zeitraum verfolgen dringend erforderlich.
Katharina Winkler-Crepaz, Alice Selina Fleur Theiß, Belinda Pletzer
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