Allergie oder chronische Rhinosinusitis? Wenn die Nase nicht mehr zur Ruhe kommt

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Eine verstopfte Nase, ständiger Schnupfen, Druck im Gesicht oder ein nachlassender Geruchssinn – viele Menschen denken dabei zuerst an eine Allergie. Tatsächlich können hinter diesen Beschwerden aber unterschiedliche Erkrankungen stecken. Besonders häufig werden Allergien und die sogenannte chronische Rhinosinusitis verwechselt. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare. Typische Beschwerden sind Niesanfälle, eine laufende oder verstopfte Nase, juckende Augen und verstärkte Symptome während bestimmter Jahreszeiten oder bei Kontakt mit dem Auslöser.

Die chronische Rhinosinusitis hingegen ist eine dauerhafte Entzündung der Schleimhäute von Nase und Nasennebenhöhlen. Von „chronisch“ spricht man, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen bestehen. Betroffene leiden häufig unter einer dauerhaft verstopften Nase, zähem Schleim, Druckgefühlen im Gesicht sowie einer eingeschränkten Geruchs- und Geschmackswahrnehmung. Auch Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Allergiker und Asthmatiker mit erhöhtem Risiko

Die beiden Erkrankungen können unabhängig voneinander auftreten, gehen aber oft Hand in Hand. Menschen mit Allergien oder Asthma haben ein erhöhtes Risiko, eine chronische Rhinosinusitis zu entwickeln. Umgekehrt können chronische Entzündungen der oberen Atemwege bestehende Allergiebeschwerden verstärken.

Ein wichtiger Unterschied: Juckreiz und häufiges Niesen sprechen eher für eine Allergie. Ein Verlust des Geruchssinns, dauerhafte Nasenatmungsbehinderung oder Druck im Gesichtsbereich deuten häufiger auf eine chronische Rhinosinusitis hin. 

Nasenendoskopie und CT

Für die Diagnose sind eine genaue Anamnese, Allergietests und eine HNO-ärztliche Untersuchung wichtig. Dazu gehört insbesondere die Nasenendoskopie, bei der bereits viele krankhafte Veränderungen direkt erkannt werden können. Zur genauen Beurteilung des Ausmaßes der Entzündung sowie zur Planung einer möglichen Nasennebenhöhlenoperation wird zusätzlich eine Computertomographie der Nasennebenhöhlen durchgeführt.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Bei Allergien helfen vor allem das Vermeiden von Auslösern, antiallergische Medikamente oder eine spezifische Immuntherapie. Bei der chronischen Rhinosinusitis stehen zunächst konservative Maßnahmen im Vordergrund. Dazu gehören Nasenspülungen mit Kochsalzlösung sowie kortisonhaltige Nasensprays, die die Entzündung reduzieren. Reicht diese Therapie nicht aus, kann eine Operation sinnvoll werden.

Die Nasennebenhöhlenoperation bei chronischer Rhinosinusitis erfolgt in der Regel minimalinvasiv durch die Nase. Ziel des Eingriffs ist es, die Belüftung und Drainage der Nebenhöhlen zu verbessern sowie entzündlich verändertes Gewebe oder Nasenpolypen zu entfernen. Viele Patientinnen und Patienten berichten anschließend über eine deutlich bessere Nasenatmung, weniger Infekte und eine gesteigerte Lebensqualität. Dennoch stellt die Operation häufig keine endgültige Heilung dar, sondern ist häufig Teil eines langfristigen Behandlungskonzeptes. Insbesondere bei ausgeprägter Polypenbildung oder gleichzeitig bestehendem Asthma kann die entzündliche Erkrankung erneut auftreten.

Biologika

In den vergangenen Jahren haben sogenannte Biologika neue Möglichkeiten in der Behandlung schwerer Formen der chronischen Rhinosinusitis eröffnet. Dabei handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Antikörper, die gezielt in bestimmte Entzündungsprozesse des Immunsystems eingreifen. Sie kommen vor allem bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Rhinosinusitis und nachgewiesener sogenannter Typ-2-Inflammation zum Einsatz – einer bestimmten Form der überschießenden Immunreaktion, die häufig mit Nasenpolypen, Asthma oder Allergien verbunden ist. Eingesetzt werden sie vor allem dann, wenn Beschwerden trotz Operation und intensiver Standardtherapie weiterhin bestehen.

Je nach Präparat werden Biologika meist alle zwei bis vier Wochen als subkutane Injektion verabreicht. Studien zeigen, dass sie die Größe von Nasenpolypen reduzieren, die Nasenatmung verbessern und den Geruchssinn teilweise deutlich wiederherstellen können. Auch der Bedarf an Kortison oder wiederholten Operationen kann dadurch sinken. Besonders profitieren häufig Menschen, die zusätzlich unter Asthma oder ausgeprägten allergischen Erkrankungen leiden.

 

Dr. Karolina Sawrymowicz