Die Geriatrie betrachtet den ganzen Menschen

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Gemeinsam verfügen sie über 28 Jahre Erfahrung im Bereich der Geriatrie. Primar Bernhard Iglseder und Stationsschwester Natalie Dolleschall geben spannende Einblicke in ihr Fachgebiet und erklären, warum der ganzheitliche Ansatz der Geriatrie an der Salzburger Christian-Doppler-Klinik der entscheidende Faktor ist.

Seit 2006 ist Primar Bernhard Iglseder Vorstand der Universitätsklinik für Geriatrie am Uniklinikum Salzburg, angesiedelt auf dem Areal der Christian-Doppler-Klinik. Die insgesamt fünf Stationen und die dazu gehörige Tagesklinik verfügen über 119 stationäre und zwölf tagesklinische Betten. Gefragt nach dem typischen geriatrischen Patienten antwortet Iglseder mit einem Schmunzeln: „Es handelt sich eigentlich um eine Patientin – entsprechend der Bevölkerung sind zwei Drittel unserer Patienten weiblich, ein Drittel männlich. Medizinisch gesehen reicht das Spektrum von internistischen, neurologischen oder psychiatrischen Problemstellungen bis hin zur Nachbetreuung und Frühmobilisierung nach orthopädischen Eingriffen oder auch Stürzen.“ Wesensmerkmal sei, dass die Patientinnen und Patienten viele Diagnosen haben und von ihren Selbsthilfefähigkeiten und der Alltagskompetenz an der Grenze angelangt sind. „Erstes Ziel unserer Stationen ist daher, dass die Menschen – wo immer dies möglich ist – ins gewohnte Umfeld zurückkehren können“, fasst Prim. Iglseder zusammen.

Ganzheitlicher geriatrischer Ansatz

Eine dieser Stationen, namentlich die Männerstation A, leitet die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Natalie Dolleschall. Im multiprofessionalen Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, Therapeutinnen und Therapeuten trägt sie die Verantwortung für bis zu 30 Patienten. „Die Vielfalt der Arbeit und des Teams ergibt sich schon allein daraus, dass wir nicht ein Organ behandeln, sondern wir immer den ganzen Menschen betrachten“, schildert Dolleschall die Herausforderung. Die verschiedenen Berufsgruppen sind gemeinsam auch Teil des sogenannten „geriatrischen Assessments“. In diesem mehrstufigen Prozess werden möglichst alle Faktoren ermittelt, die sich individuell auswirken und den weiteren Krankheitsverlauf idealerweise positiv gestalten. Hier spielen neben der klassischen medizinischen Behandlung auch Aspekte wie Selbsthilfefähigkeiten, kognitive Fähigkeiten, Alltagskompetenz oder soziales Umfeld eine entscheidende Rolle. „Wir arbeiten nach einem Pflegekonzept, in dem man so gut wie möglich in die Welt des einzelnen Menschen eintritt, um ihm im Gegenzug zu helfen, sich im Hier und Jetzt zurechtzufinden“, erläutert Natalie Dolleschall die Idee dahinter.

Fachgebiet mit zukünftiger Relevanz

Aktuell versorgt die Geriatrie in Salzburg 2.000 stationäre Aufnahmen und 350 tagesklinische Patientinnen und Patienten pro Jahr – Tendenz steigend. Für Prim. Iglseder liegt das auf der Hand: „Durch die demografische Entwicklung sind in wenigen Jahren zehn Prozent der Bevölkerung 80 Jahre und älter. Damit steigen natürlich Erkrankungen, die mit höherem Alter verbunden sind. Gerade für diese Personengruppe gilt es, möglichst ideale Behandlungspfade zu definieren, um die Selbstständigkeit zu wahren. Schließlich möchten wir alle auch im Alter in akzeptabler Lebensqualität den Alltag bestreiten.“