Corona: Was macht „Social Distancing“ mit unserer Psyche?

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Wochenlange soziale Distanz und kaum Kontakt mit Freunden, Kollegen und Familie - was macht das mit unserer Psyche?

Unsere Welt ist auf den Kopf gestellt. Wir müssen während den Ausgangsbeschränkungen auf vieles, was vor Corona selbstverständlich war, verzichten - und das Schlimmste ist für die meisten Menschen: der fehlende Kontakt zu Freunden. Obwohl wir gerade jetzt, um gemeinsam diese Krise leichter bewältigen zu können, dringend Nähe bräuchten, hilft uns nur soziale Distanz. Das macht vielen Menschen Angst.

Positive Auswirkungenvon Social Distancing

Der Rückzug in die eigenen vier Wände bringt aber für einige wenige Menschen sogar positive Aspekte mit sich. Sie entwickeln neue kreative Ideen, haben mehr Zeit mit der Familie, weniger Termindruck und empfinden es als Entschleunigung. Das kann aber nur gelingen, wenn keine finanziellen oder gesundheitliche Sorgen im Vordergrund stehen. Aktuelle Studien bestätigen aber eher das Gegenteil: Seit dem Ausbruch der Pandemie gibt es einen deutlichen Anstieg von Depressionen und Angstzuständen.

Soziale Isolation verstärkt psychische Erkrankungen weltweit

Weltweit wird von Psychologen und Psychiatern beobachtet, dass Menschen, die bereits unter einer psychischen Krankheit leiden, diese durch die soziale Isolation noch mehr verstärkt wird. Je länger die Maßnahmen andauern, desto eher werden auch gesunde Menschen psychische Leiden entwickeln. In Großbritannien veröffentlichte die Fachzeitschrift „Lancet Psychiatry“ einen Aufruf von Psychiatern, die psychischen Folgen nicht zu vernachlässigen. Zunehmende Einsamkeit, gesundheitliche Sorgen, Stress und finanzielle Probleme belasten die psychische Gesundheit. „Das Problem ist zu wichtig, um es zu ignorieren“, betont Rory O’Connor von der Universität Glasgow. In Deutschland erforscht das Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz die psychischen Auswirkungen der Corona-Krise. Die ersten Ergebnisse zeigen: Bereits 37 Prozent der Befragten sorgen sich um ihre seelische Gesundheit. Ein Vergleich mit einer Untersuchung von 2017 deutet bereits eine Verschlechterung während der Corona Ausgangsbeschränkungen an.

Psychische Widerstandsfähigkeit trainieren   

Wer sich frühzeitig Hilfe sucht, der kann sich jedoch schneller aus einem Teufelskreis befreien. Als erste Maßnahme wird von den meisten Psychotherapeuten empfohlen: Seinen Tag zu strukturieren. Darüber hinaus ist es wichtig weiterhin soziale Kontakte zu pflegen, aber eben online oder telefonisch. Dabei sollte man am besten über positive Themen sprechen.Resilienzforscher wie Professor Raffael Klatsch vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz möchte mit der Online-Studie herausfinden, wie jeder einzelne mit den Einschränkungen umgeht, um daraus Empfehlungen abzuleiten. Die Corona-Krise ist für alle Menschen eine neue große Herausforderung und darf nicht nur als eine wirtschaftliche und gesellschaftliche, sondern sollte auch als eine psychische Krise gesehen werden, aus der wir hoffentlich gestärkt herausfinden. Es ist ein Stresstest für die Gesellschaft und für jeden einzelnen. Es ist aber keine angeborene Fähigkeit, optimistisch und ohne psychische Beeinträchtigungen Krisen zu bewältigen, sondern ein Anpassungsprozess. Die Hoffnung der Resilienzforschung: Psychische Widerstandsfähigkeit kann man lernen und trainieren.