In der Medizin weiß man schon lange, dass der ständige Konsum von zu viel Zucker weitverbreitete Krankheiten wie Diabetes, Adipositas, Depressionen und Alzheimer verursachen kann. Dennoch konsumieren die meisten Menschen - vor allem auch schon Kinder - viel zu viel davon. Kritiker nehmen die Lebensmittelindustrie ins Visier, die mit hohen, oft versteckten Zuckerzusätzen und aggressiver Werbung nicht nur für hohe Umsätze sorgt, sondern auch dafür, dass viele schon im Kindesalter ein Suchtverhalten nach Süßem entwickeln. Und davon nicht mehr loskommen.
In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass es oft schon bei den Produzenten und Züchtern von neuen Obstsorten beginnt, wenn es darum geht, mehr Zucker unters Volk zu bringen. Wobei dahinter meist große Firmen stecken, die mit Patenten auf neue Apfelsorten zum Beispiel viel Geld verdienen. Was dabei auffällt aber Fachleute keineswegs verwundert: die neuen Äpfel, Birnen, Orangen, Mandarinen, Weintrauben etc. haben alle eines gemeinsam: mit jeder Neuzüchtung wird es immer süßer.
Weil es die Konsumenten so verlangen, sagt der Handel und die Umsätze belegen das auch. Was allerdings kein Wunder ist, denn viele Menschen werden regelrecht süchtig nach Süßem: sie entwickeln ein Craving-Verhalten (heftiges Verlangen) wie man es von anderen Süchten, etwa nach Alkohol, kennt. Auf der ständigen Suche nach dem Zuckerflash greifen Zuckersüchtige daher gezielt zu den süßesten Früchten und Produkten im Supermarktregal.
Werbung für Ungesundes gezielt an Kinder und Jugendliche
Die Werbung für ungesunde, viel zu süße und viel zu fette Produkte setzt dabei schon bei Kindern und Jugendlichen an, wie eine umfangreiche Studie der Medizin-Uni Wien belegt. Untersucht wurde dabei im Auftrag des Gesundheitsministeriums das Werbeumfeld der vier von Kindern und Jugendlichen am häufigsten genutzten Social-Media-Plattformen. Dabei wurden die Werbebeiträge für Lebensmittel, Getränke und Produktdarstellungen der 61 größten Lebensmittelmarken in Österreich sowie der reichweitenstärksten deutschsprachigen Influencer:innen über ein Jahr hinweg analysiert. Ergebnis: Über 70 Prozent der in sozialen Medien gezeigten Lebensmittelwerbung ist laut Nährwertprofil der Nationalen Ernährungskommission nicht für die Bewerbung an Kinder geeignet. Häufigste Produkte sind Schokolade und Süßwaren (17%), Getränke wie Limonaden (11%) sowie Fertiggerichte und Convenience-Lebensmittel (10%).
Ähnliches gilt für von Influencer:innen beworbene Lebensmittel. Hier sollten laut Nährwertprofil je nach Plattform zwischen 57 Prozent und 73 Prozent der Produkte nicht beworben werden - am häufigsten Schokolade und Süßwaren (11%-28%), gefolgt von Kuchen, süßen Keksen und Gebäck (12%-23%), Fertiggerichten und Convenience-Lebensmitteln (9%-22%) und Getränken (11%-12%). Auf YouTube-Kanälen, die sich speziell an Kinder richten, führen Schokolade und Süßwaren (28%) die Liste an, auf der Streamingplattform Twitch Energy Drinks (44%).
Die Evidenz zeigt nach Ansicht der Studienautorinnen Eva Winzer, Brigitte Naderer, Sandra Haider und Maria Wakolbinger vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien, dass Werbung für Lebensmittel und Getränke mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen verändert. Damit steigt das Risiko für die Entstehung von Übergewicht und Adipositas sowie potenziell lebenslanger Folgeerkrankungen.
Zucker – eigentlich ein wertvoller Energie-Spender
Zucker begleitet unser Leben jeden Tag, denn er steckt in fast allen Lebensmitteln. Zucker kann uns süchtig und gleichzeitig glücklich machen. Je mehr die Medizin darüber weiß, was ein Zuviel an Zucker bedeuten kann, umso mehr ist Zucker in den letzten Jahren in Verruf geraten. Doch Zucker an sich ist nicht „böse“, denn wie so häufig macht die Dosis das Gift. Unbestritten ist, dass ein zu hoher Zuckerkonsum der Gesundheit schadet – mehr als 50 Gramm pro Tag sollten es jedenfalls nicht sein, so die Empfehlungen der Fachleute. Der Organismus benötigt Kohlehydrate, also letztlich Zucker, um zu überleben, denn Glukose ist der wichtigste Energielieferant. Wobei man unterscheiden muss: Natürlicher Zucker, der in Obst, Früchten und Gemüse vorkommt, oder auch komplexer Zucker, also Kohlehydrate in Kartoffeln, Vollkornreis und Hülsenfrüchten, sind für unseren Körper wichtige Energie- und Ballaststoffquellen und gesundheitsfördernd. Demgegenüber ist zugesetzter Zucker in Backwaren, Softdrinks, Fruchtsäften und Süßigkeiten in zu hohen Mengen schädlich, warnen Fachleute.
Wie viel Zucker darf ich essen?
Der jährliche Zuckerkonsum nimmt weltweit kontinuierlich zu, sodass die Menschheit inzwischen pro Jahr an die 200 Millionen Tonnen verbraucht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, die Tagesdosis von 25 Gramm Haushaltszucker pro Tag und Kopf nicht zu überschreiten. Die Realität sieht jedoch anders aus: In Österreich kommt jede Person durchschnittlich auf mehr als 100 Gramm Zucker pro Tag – also auf das Vierfache der von der WHO empfohlenen Menge.
Krank durch Zucker
Meist stellt sich zuallererst Karies als Folge von zu hohem Zuckerkonsum ein. Doch Karies ist in Wirklichkeit noch die harmloseste aller Krankheiten, die mit überhöhtem Zuckerkonsum und schlechter Zahnpflege einhergehen.
Übermäßiger Verzehr von Zucker wird für eine Reihe ernährungsbedingter Krankheiten verantwortlich gemacht: neben Adipositas, Diabetes, Demenz und Depressionen kann ein jahrelang zu hoher Zuckerkonsum auch Bluthochdruck, Herzleiden, Netzhautprobleme bis hin zur Erblindung, Leber- und Nierenerkrankungen, Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche bewirken. Wir belasten damit unseren gesamten Organismus - besonders jene Stellen, wo die feinsten Adern die Blut- und Sauerstoffversorgung aufrecht erhalten wie etwa in der Retina unseres Auges und in den feinen Gefäßen der Niere. Es treten vermehrt Entzündungen auf und unser Immunsystem wird geschwächt. Auch die Darmflora leidet unter dem hohen Verzehr von Zucker. Ist unser Darm nicht mehr im Gleichgewicht, leidet darunter auch die Psyche.
Mehr Sport, mehr Bewegung
Eine deutliche Steigerung der täglichen Bewegung, Sport und regelmäßiges Training, könnte den negativen Folgen von zuviel Zuckerkonsum entgegenwirken, da dabei etwas von der zuviel zugeführten Energie verbraucht wird, was auch gleich die Stimmung hebt.
Problem Fruktose?
Vor allem die Zuckerart Fruktose gilt als besonders bedenklich. Sie wird in der Leber teilweise zu Fett umgebaut und kann neben Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen auch Gicht fördern und sich zu einer nichtalkoholischen Fettleber auswachsen. Unbehandelt kann daraus in weiterer Folge eine lebensbedrohende Leberzirrhose oder sogar Leberkrebs entstehen. Besonders Süßspeisen, Gelees und vor allem Fruchtsäfte enthalten oft sehr viel Fruktose. So ist etwa in einem Apfelsaft genauso viel Zucker enthalten wie in Cola: vier Stück Würfelzucker pro 100 Milliliter.
Zucker wird von den Herstellern gerne “versteckt”
Ein großes Problem sind die „versteckten“ Substanzen, die der Laie beim Studium der aufgelisteten Inhaltsstoffe am Etikett nicht als Zucker erkennt. Sie tarnen sich unter anderem als Glukose, Saccharose, Dextrose, Zuckersirup, Laktose, Traubenfruchtsüße, Süßmolkenpulver, Gerstenmalz: Die Namen, hinter denen sich Zucker versteckt, sind vielfältig, es gibt an die 70 davon.
Alltägliche Zuckerfallen, die man nur schwer erkennen kann
Viele vermuten, dass der Großteil des Zuckers, den wir täglich zu uns nehmen, in den Süßigkeiten steckt, die wir essen: in Schokolade, Kuchen oder Eis usw. Zwei Drittel des durchschnittlichen Jahresverbrauchs an Zucker werden aber industriell in Backwaren, Brotaufstrichen, Getränken und Milchprodukten verarbeitet. Da wird fast immer zur Geschmacksverstärkung der meiste Zucker versteckt: in Fertiggerichten, Saucen, Dressings, Gemüse- und Obstkonserven, Frühstückscerealien, Smoothies, Energy Drinks, Fruchtsäften, Fruchtjoghurts und Softdrinks.
Raus aus der Zucker-Sucht!
Ein konsequenter Zuckerentzug kann zu Beginn zu Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Reizbarkeit führen, da der Körper auf das Fehlen des gewohnten schnellen Energielieferanten reagiert. Bereits nach einer Woche stabilisiert sich der Blutzuckerspiegel, was zu mehr Energie und besserem Schlaf führt. Nach zwei Wochen verschwinden Heißhungerattacken, und das Sättigungsgefühl verbessert sich. Nach drei Wochen können sich Hautbild und Blutdruck normalisieren, und Entzündungsprozesse im Körper nehmen ab. Langfristig reduziert der Verzicht auf Zucker das Risiko für Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

