HNO-Operationen bei Kindern

HNO-Operationen gehören zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen im Kindesalter. In Österreich werden jedes Jahr zahlreiche Kinder wegen vergrößerter Mandeln, wiederkehrender Mittelohrentzündungen oder Hörstörungen behandelt.Während viele dieser Eingriffe als Routineoperationen gelten, benötigen manche Kinder eine hochspezialisierte Versorgung in interdisziplinären Zentren.  Entscheidend für eine sichere Behandlung sind dabei nicht nur die chirurgische Erfahrung, sondern auch eine spezialisierte Kinderanästhesie, moderne Intensivmedizin und ausreichend verfügbare personelle und technische Ressourcen.

Ein besonders häufiges Krankheitsbild im Kindesalter ist die Vergrößerung der Rachenmandel, oft in Kombination mit vergrößerten Gaumenmandeln. Die Folgen reichen von einer eingeschränkten Nasenatmung über Schnarchen bis hin zu nächtlichen Atempausen. Viele betroffene Kinder leiden zudem an beidseitigen Mittelohrergüssen, die das Hörvermögen deutlich beeinträchtigen können.

Hörminderung beeinträchtigt die Sprachentwicklung

Gerade im frühen Kindesalter kann dies weitreichende Folgen haben. Die Sprachentwicklung erfolgt in einer sensiblen Entwicklungsphase, in der gutes Hören eine zentrale Voraussetzung für das Erlernen von Sprache ist. Wird eine Hörminderung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann dies die Sprachentwicklung nachhaltig beeinträchtigen. Auch die dauerhaft eingeschränkte Nasenatmung hat Auswirkungen: Die dadurch entstehende Mundatmung verändert die Zungenlage und kann die Entwicklung des Mittelgesichts beeinflussen. Darüber hinaus können nächtliche Atempausen zu Konzentrationsproblemen sowie Lern- und Verhaltensauffälligkeiten führen.

Früherkennung ausschlaggebend

Nicht jede Hörstörung ist jedoch auf Mittelohrergüsse zurückzuführen. Auch angeborene Hörstörungen, Mittelohrfehlbildungen oder chronische Entzündungen können für eine Hörminderung verantwortlich sein. Deshalb kommt der Früherkennung eine besondere Bedeutung zu. Zur Diagnostik angeborener Hörstörungen wird in Österreich bereits kurz nach der Geburt ein Neugeborenenhörscreening durchgeführt. Fällt dieses auffällig aus, sind weitere Untersuchungen wie erweiterte Hörprüfungen und bildgebende Verfahren notwendig, um die Ursache der Hörstörung zu identifizieren und die passende Therapie einzuleiten. Diese kann von Hörgeräten bis hin zu Cochlea-Implantaten reichen. Sowohl Diagnostik als auch Therapie erfordern eine enge Zusammenarbeit von HNO-ÄrztInnen, KinderärztInnen, AudiologInnen und RadiologInnen. Ziel ist es, betroffenen Kindern möglichst früh optimale Voraussetzungen für ihre Sprach- und Kommunikationsentwicklung zu bieten.

Eingriffe bei angeborenen Fehlbildungen

Besonders komplex ist auch die Versorgung bei Kindern mit angeborenen Fehlbildungen im Kopf-Hals-Bereich. Dazu zählen beispielsweise Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder Choanalatresien, also angeborene Verschlüsse der hinteren Nasenöffnungen. Diese Kinder benötigen häufig bereits in den ersten Lebensjahren operative Eingriffe. Nicht selten bestehen zusätzlich weitere Erkrankungen oder Fehlbildungen, etwa des Herzens oder anderer Organsysteme. In solchen Fällen ist die Zusammenarbeit von HNO-Heilkunde, Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie, Pädiatrie und Kinderchirurgie unverzichtbar. Die Betreuung erfolgt daher meist in spezialisierten Zentren, in denen unterschiedliche Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten.

Kinderanästhesie 

Eine besondere Rolle bei der operativen Versorgung von Kindern spielt die Kinderanästhesie. Kinder sind keine „kleinen Erwachsenen“ – ihre anatomischen und physiologischen Besonderheiten stellen eigene Anforderungen an Narkose und perioperative Betreuung. Eine spezialisierte kinderanästhesiologische Versorgung trägt wesentlich zur Sicherheit der Eingriffe bei.

Das gilt insbesondere für nicht-planbare Eingriffe im Rahmen von Notfallversorgungen. Besonders erwähnenswert sind dabei Nachblutungen nach Mandeloperationen. Sie stellen eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation dar und erfordern eine sofortige medizinische Versorgung. Die Behandlung solcher Notfälle ist anspruchsvoll, da Kinder bereits auf vergleichsweise geringe Blutverluste empfindlich reagieren, die Blutung die Atemwege beeinträchtigen und Blut oder Mageninhalt in die Luftröhre gelangen kann.

Aus diesem Grund werden komplexe Notfälle häufig an spezialisierte Zentren überwiesen. Dies betrifft neben Nachblutungen auch schwere Infektionen, Abszesse oder Komplikationen von Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündungen.

 

Dr. Johanna Felber

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.